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Selbst an einem vorschriftsmässig abgesicherten Arbeitsplatz lassen sich nicht alle Risiken restlos ausschliessen und es kann zu Unfällen kommen. In diesem Fall sind Arbeitnehmer durch den Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung abgesichert. Welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen, welche Abläufe einzuhalten sind und was passiert, wenn die Arbeit nach dem Unfall nicht mehr aufgenommen kann, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Was ist ein Arbeitsunfall?

Arbeitgeber sind verpflichtet, ihre Mitarbeiter durch die Einhaltung von Vorschriften und Verordnungen bestmöglich vor Unfällen zu schützen, beispielsweise durch die korrekte Baustelleneinrichtung oder vorschriftsmässige Anwendung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA).

Das Bundesgesetz über die Unfallversicherung UVG regelt die gesetzlichen Bestimmungen zum Arbeitsunfall. Der zweite Titel des Gesetzes besagt, dass die Unfallversicherung für Arbeitnehmer bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten Schutz zu gewähren hat.

Zudem erbringt die Versicherung Leistungen bei Schädigungen, die ihren Grund nicht in einer Abnutzung oder Erkrankung haben, wie zum Beispiel bei:

  • Knochenbrüchen
  • Verrenkungen von Gelenken
  • Meniskus- und Muskelrissen sowie Muskelzerrungen
  • Sehnenrissen
  • Bandläsionen und Trommelfellverletzungen

Berufsunfall, Nichtberufsunfall und Berufskrankheit laut UVG

Die gesetzliche Unfallversicherung greift sowohl bei Berufsunfällen als auch bei Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten. Dabei wird wie folgt unterschieden und abgegrenzt:

Berufsunfall laut UVG

Gemäss Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Zweiter Titel, gelten folgende Unfälle als Berufsunfälle:

  • Unfälle, die bei Arbeiten passieren, die dem Arbeitnehmer vom Arbeitgeber angeordnet wurden
  • Unfälle während der Arbeitspausen oder vor bzw. nach der Arbeit, wenn sich der Arbeitnehmer rechtmässig in der Arbeitsstätte aufhält

Nichtberufsunfall laut UVG

Zu den Nichtberufsunfällen gehören gemäss UVG sämtliche Unfälle, die nicht den Berufsunfällen zugeordnet werden können. Beschäftigte in Teilzeit sind laut Gesetz nicht gegen Nichtberufsunfälle versichert.

Berufskrankheiten

Berufskrankheiten
Artikel 9 des UVG legt fest, dass als Berufskrankheiten jene gelten, die aufgrund der beruflichen Tätigkeit ausschliesslich (oder zum Hauptteil) durch Schadstoffe oder Arbeiten verursacht werden. Die Verordnung über die Unfallversicherung UVV stellt im Anhang 1 eine Liste der Stoffe und Arbeiten zur Verfügung. Kann nachgewiesen werden, dass eine andere Krankheit überwiegend auf die berufliche Tätigkeit zurückzuführen ist, greift die Versicherung ebenfalls.

Was zahlt die gesetzliche Unfallversicherung beim Arbeitsunfall?

Sind die Voraussetzungen für einen Berufsunfall, Nichtberufsunfall oder eine Berufskrankheit gegeben, sind Sie als Arbeitnehmer durch die gesetzliche Unfallversicherung (zum Beispiel die SUVA) abgesichert. Auch Schüler, Teilnehmer einer Weiterbildung und Ersthelfer im Einsatz sind in der gesetzlichen Unfallversicherung abgesichert. Eine Anmeldung erfolgt durch den Arbeitgeber bei der zuständigen Versicherungsgesellschaft. Der Versicherungsschutz garantiert Anspruch auf:

  • Behandlungs- und Rehabilitationskosten
  • Kosten für Hilfsmittel und Krankentransport
  • Taggeld ab dem 3. Tag nach dem Unfall, falls der Versicherte arbeitsunfähig ist (in Höhe von 80 Prozent des versicherten Verdienstes)
  • Invalidenrente

Auch wenn Sie den Arbeitsunfall durch Eigenverschulden selbst verursacht haben, greift die gesetzliche Unfallversicherung – solange Sie ihn nicht vorsätzlich herbeigeführt haben. Gleiches gilt auch für Arbeitgeber: Bei erwiesener Vorsätzlichkeit sind Sie vollständig haftbar und müssen für sämtliche durch den Unfall entstandenen Schäden und Kosten aufkommen.

How to: So sollten Sie bei einem Arbeitsunfall vorgehen

  1. Bewahren Sie Ruhe.

    Kommt es zu einem Unfall im Rahmen der Arbeitstätigkeit, sollten Beteiligte zunächst ruhig und besonnen bleiben.

  2. Holen Sie Hilfe.

    Sofern Sie Ersthelfer im Betrieb haben, die sich um das Unfallopfer kümmern können, holen Sie diese an den Unfallort.

  3. Sichern Sie die Unfallstelle.

    Sicherung und Begutachtung der Unfallstelle durch den Arbeitgeber unter Beteiligung von Zeugen, Sicherheitsfachkräften und den für das Unfallopfer zuständigen Führungskräften. Tipp: Machen Sie Fotos von den Folgen des Arbeitsunfalls und erstellen Sie ein Protokoll zum genauen Ablauf. Was ist wann wie passiert? Notieren Sie diese Informationen, um den Vorgang möglichst genau bei der Versicherung angeben zu können.

  4. Untersuchung beim Durchgangsarzt.

    Auch wenn es sich nicht um einen medizinischen Notfall handelt, sollte das Unfallopfer direkt nach dem Arbeitsunfall von einem Betriebs- oder Hausarzt untersucht werden. Dieser dokumentiert den Unfall und schlägt die notwendigen Behandlungen vor.

  5. Melden Sie den Unfall.

    Für jeden Arbeitsunfall und Nichtberufsunfall besteht eine Meldepflicht. Der Arbeitgeber muss den Unfall ohne Verzug bei der Unfallversicherung melden. Der Arbeitnehmer erhält im Anschluss ein Formular, das er (oder gegebenenfalls der behandelnde Arzt) vollständig auszufüllen und dem Versicherer unverzüglich zu retournieren hat.

Welche Leistungen erhalten Arbeitnehmer nach einem Arbeitsunfall?

Nach einem Unfall am Arbeitsplatz und daraus resultierender Erwerbsunfähigkeit haben Arbeitnehmer das Recht auf ein Taggeld. Dieses wird ab dem 3. Tag nach dem Unfall bis hin zur Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, dem Eintritt der Rente oder dem Ableben des Versicherten gewährt. Bedingung ist, dass nicht bereits ein Anspruch auf ein Taggeld der Invalidenversicherung oder eine Mutterschaftsentschädigung besteht.


Bleibt ein Arbeitnehmer aufgrund von Folgeschäden nach einem Arbeitsunfall längerfristig arbeitsunfähig, wird versucht, die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen. Hierfür unterstützt die Unfallversicherung eine Wiedereingliederung ins Arbeitsleben und übernimmt die Kosten für Reha- und Wiedereingliederungsmassnahmen. Neben Therapien und Medikamenten kann das zum Beispiel ein Schonarbeitsplatz sein, an dem Sie nach dem Unfall langsam wieder in die Betriebsabläufe eingebunden werden.

Greifen alle diese Massnahmen nicht und der Arbeitnehmer bleibt dauerhaft invalid, kann Invalidenrente beantragt werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Arbeitnehmer zumindest 10 Prozent Invalidität aufweist und sich der Unfall vor Rentenbeginn ereignet hat.

Die Leistungen der Unfallversicherung gehen weit über die von Krankenkassenleistungen hinaus. Deswegen sollten sich auch Unternehmer und Selbstständige in besonders gefährdeten Berufen mit einer freiwilligen Unfallversicherung vor den Folgen eines Arbeitsunfalls absichern.

Darf auf den Unfall eine Kündigung folgen?

Ein Arbeitsunfall hat keinen Einfluss auf die vertraglich vereinbarten Kündigungsfristen. Der Arbeitgeber muss immer triftige und objektive Gründe für den Ausspruch der Kündigung nachweisen können. Gerichtsurteile werden in dieser Frage häufig zugunsten des Arbeitgebers gefällt. Folgende Gründe können eine Kündigung legitimieren, da sie dem Unternehmen finanziellen Schaden zufügen können:

  • der lange Arbeitsausfall eines Angestellten
  • eine verminderte Leistungsfähigkeit nach dem Unfall

FAQ zum Arbeitsunfall

Was ist zu tun nach einem Arbeitsunfall?

Zunächst muss die Unfallstelle gesichert und begutachtet sowie der Unfallhergang dokumentiert werden. Das Unfallopfer muss sich von einem Arzt untersuchen lassen, der Arbeitgeber meldet den Unfall unverzüglich nach Kenntnis der zuständigen Versicherungsgesellschaft.

Ab wann ist ein Arbeitsunfall meldepflichtig?

Arbeitsunfälle sowie Nichtberufsunfälle müssen laut UVG unverzüglich gemeldet werden.

Wer zahlt bei Arbeitsunfall?

Ab dem 3. Tag nach dem Unfall erfolgt die Zahlung eines Taggelds in Höhe von 80 Prozent des versicherten Gehalts. Die Fortzahlung wird bis zur Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, dem Eintritt der Rente oder dem Ableben des Versicherten gewährt.

Welche Leistungen gibt es bei der Unfallversicherung?

Der Versicherungsschutz durch die Unfallversicherung garantiert Ihren Anspruch unter anderem auf Behandlungs- und Rehabilitationskosten, Taggeld in Höhe von 80 Prozent des versicherten Gehalts oder Invalidenrente.

Ist man während der Pause versichert?

Laut UVG sind Unfälle, die sich während der Arbeitspausen ereignen, versichert.

Ist der Weg zur Kantine versichert?

Haben Sie auf dem Weg zur Kantine oder von der Kantine zurück an den Arbeitsplatz einen Unfall, gilt dieser als Arbeitsunfall.

Bin ich auf der Arbeit auf Toilette versichert?

Auf dem Weg zur Toilette und zurück sind Sie versichert.

Bitte beachten Sie: Die hier erwähnten Vorschriften sind nur eine Auswahl der wichtigsten gesetzlichen Vorgaben. Detaillierte Informationen lesen Sie dazu in den aufgeführten und ggf. weiteren Vorschriftensammlungen und Gesetzestexten nach. Bei der konkreten Umsetzung im Betrieb können und sollten im Zweifel ausserdem Sachverständige hinzugezogen werden.

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