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Die Schonung natürlicher Ressourcen wird immer bedeutender, auch in der Baubranche spielt Kreislaufwirtschaft heute eine wichtige Rolle. Hier ist Beton der am häufigsten eingesetzte Baustoff. Die gute Nachricht: Wie andere Materialien kann Beton aufbereitet und wiederverwertet werden. Er verfügt auch dann über hervorragende Eigenschaften. Die Verwendung von Recyclingbeton (RC-Beton) ist ressourcenschonend, normiert und der Baustoff lässt sich genauso verarbeiten wie herkömmliche Fertigbetone. Deshalb kommt Recyclingbeton in der Schweiz für Bauprojekte jeglicher Art zum Einsatz. Erfahren Sie mehr über die Herstellung, die Eigenschaften und das Potenzial von wiederverwertbarem Beton!

Eigenschaften von Recyclingbeton

RC-Beton wird den gleichen Anforderungen gerecht wie herkömmlicher Beton. Festigkeit, Viskosität und Qualität entsprechen Betonen mit natürlicher Gesteinskörnung, weswegen sich der Recyclingbeton ebenso gut verarbeiten lässt. Lediglich veränderte Eigenschaften in Sachen Volumenstabilität und Verformung sollten bei der Planung berücksichtigt werden.

Die wichtigsten Fakten zu RC-Beton im Überblick:

  1. Durch die Verwendung von RC-Beton lässt sich der Verbrauch natürlicher Ressourcen um bis zu 30 % verringern.
  2. Für Bauvorhaben können sowohl private, als auch öffentliche Bauherren RC-Beton ausschreiben.
  3. In der Schweiz dürfen Betonhersteller wiederverwertetes Material verwenden, das den Normen SN EN 206-1 und SIA 262 [Betonbau] entspricht. Nähere Informationen finden sich im SIA-Merkblatt MB2030.
  4. Die stoffliche Zusammensetzung von Betongranulat (C) und Mischgranulat (M) zur Herstellung von RC-Beton erfolgt nach den Normen EN 12620 und SN 670102b.
  5. Der Hersteller muss in der Lage sein, die Gesteinskörnung nach den o. g. Normen zu produzieren und dies durch ein entsprechendes Zertifikat nachweisen.

Der Einsatz von RC-Beton ist grundsätzlich sinnvoll und leistet einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz – sofern die Transportwege der wiederaufbereiteten Gesteinskörnung vom Ort der Aufbereitung zum Betonwerk nicht zu weit sind.

Wo wird Recyclingbeton eingesetzt?

In Bezug auf die Verwendung von Recyclingbeton nimmt die Schweiz im europäischen Vergleich eine führende Position ein. Bereits vor 15 bis 20 Jahren wurde die Rezyklierung von Beton durch verschiedene Bauherren gefördert. Heute wird RC-Beton in der Schweiz für Bauprojekte aller Art verwendet – vom Strassenbau bis hin zu öffentlichen Gebäuden. Über 4500 Bauten wurden bis zum Jahr 2018 in der Schweiz mit Recyclingbeton erstellt. Die Stadt Zürich ist hierbei Vorreiterin:
Bereits zahlreiche öffentliche Gebäude wurden mit RC-Beton erbaut, um einen umweltschonenden Standard zu etablieren. Als Paradebeispiel gilt die im Jahr 2008 fertiggestellte Hirzenbach-Schulanlage. Eher selten findet RC-Beton im Hochbau Verwendung.
Wissenschaftlich begleitete Projekte werden beispielsweise an der ETH Zürich durchgeführt. Studentinnen und Studenten haben das Aufklärungstool „BAT“ ins Leben gerufen – mit dem Ziel, den Ruf des RC-Betons in der Öffentlichkeit zu verbessen. Die Rahmenbedingungen für den möglichst flächendeckenden Einsatz von Recyclingbeton werden im SIA-Merkblatt MB2030 sowie im Umweltschutzgesetz (USG) festgehalten.

Warum wird auch in der Schweiz noch zu wenig Recyclingbeton eingesetzt?

Baustoffe wiederzuverwenden trägt dazu bei, dass auf weniger natürliche Ressourcen zurückgegriffen werden muss. Doch auch in der Schweiz ist in Bezug auf die bereits häufige Verwendung von RC-Beton Optimierungspotenzial vorhanden:

  • Von den zwei verschiedenen für RC-Beton verwendeten Ausgangsmaterialien – Beton- und Mischabbruch – wird Betonabbruch sehr oft wiederverwendet, während sich die Verwendung von Mischabbruch eher verbesserungsfähig zeigt. Hierfür wären technologische Optimierungen in der Aufbereitung vonnöten.
  • Das vorhandene Wissen um die Verwendung von RC-Beton sollte noch mehr genutzt werden, um eventuelle Vorbehalte seitens der Bauherren auszuschliessen.
  • Bund und Kantone sollten zur Ausschreibung von RC-Beton ermutigen, um die regionalen Unterschiede in Bezug auf die Verwendung von Recyclingbeton auszugleichen.

Wie das Recycling von Beton funktioniert

Anstelle von natürlichem Kies wird bei der Herstellung von RC-Beton aufbereiteter Bauschutt als Zuschlagstoff hinzugefügt. Die Verwendung von Schotter aus Steinbrüchen sowie von Kies aus Kiesgruben wird dadurch um bis zu 30 % reduziert.

Laut einer Studie der EMPA fielen in der Schweiz im Jahr 2015 6,6 Millionen Tonnen Betonabbruch an. Dieser konnte zu 85 Prozent wiederverwertet werden. Ebenfalls im Jahr 2015 konnten 80 Prozent von rund 1,9 Millionen Tonnen Mauerwerk-Abbruch rezykliert werden. Dank der normativen Regelung und der dadurch sicheren Verwendung ist RC-Beton in der Schweiz weiterhin auf Vormarsch. Abbaustätten wie Kiesgruben und Steinbrüche können renaturiert werden, womit der Einsatz von Recyclingbeton einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leistet.

Voraussetzung für das Recycling von Beton ist eine sortenreine Sortierung der Materialien, es ist also wichtig, diese strikt getrennt voneinander zu verarbeiten. Neben klassischem Mauerwerk können auch Dachziegel wiederaufbereitet werden. Sind Metallstreben, Holz- oder Plastikstückchen im Bauschutt enthalten, werden sie im Produktionsprozess entfernt. Ein spezielles Sieb in der Schaufel eines Radladers trennt die Ziegel oder Steine von Putzresten, Holzteilen oder Folienstückchen, sodass der Bauschutt anschliessend zerkleinert werden kann. Zunächst zertrümmert ein Hydromeissel das Material grob, bevor es im sogenannten „Brecher“ bis zu einer Körnungsgrösse von 60 Millimetern fein zermahlen wird. Eine Siebanlage unterteilt die zerkleinerten Partikel in Körnungen unterschiedlicher Stärke. Angemischt mit Wasser, Zement und ggf. weiteren Zuschlagstoffen, entsteht aus der Gesteinskörnung ein gut zu verarbeitendes, umweltschonendes Material: Recyclingbeton. Mehr über den Einsatz innovativer Baumaterialien erfahren Sie in unserem Beitrag „Haus aus dem 3-D-Drucker“.

FAQ zum Thema Recyclingbeton

Wie kann die Verwendung von RC-Beton in der Schweiz noch optimiert werden?

• Optimierung in der Aufbereitungstechnik des Ausgangsmaterials Mischabbruch.
• Stärkere Verbreitung des vorhandenen Wissens zur Nutzung von RC-Beton, um Vorbehalte auszuschliessen.
• Förderung der Ausschreibungen von Recyclingbeton durch Bund und Kantone zum Ausgleich der regionalen Unterschiede in Bezug auf die Verwendung von RC-Beton.

Welche Vorteile hat Recyclingbeton?

• geringere CO2-Emission als bei der Herstellung von Frischbeton
• Vermeidung von mineralischen Abfällen, die bei der Produktion von Primärbeton anfallen
• Schonung von Ressourcen, da weniger Rohstoffe abzubauen sind
• Erhalt der Landschaft sowie der Tier- und Pflanzenwelt
• Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten ähnlich wie bei herkömmlichem Beton

Welcher Anteil wiederaufbereiteter Gesteinskörnung in RC-Beton ist in der Schweiz zulässig?

In der Schweiz dürfen Betonhersteller wiederverwertetes Material verwenden, das den Normen SN EN 206-1 und SIA 262 [Betonbau] entspricht und Betongranulat (C) bzw. Mischgranulat (M) nach den Normen EN 12620 und SN 670102b enthält. Die entsprechenden Regelungen finden sich im SIA-Merkblatt MB2030.

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