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Wo gehobelt wird, da fallen Späne – die bei fehlendem Versicherungsschutz richtig teuer werden können. Im übertragenden Sinne gilt das nicht nur für holzverarbeitende Gewerke, sondern für alle Handwerksunternehmen. Umso wichtiger ist es, dass Sie für Ihren Betrieb nicht nur für einen ausreichenden Versicherungsschutz sorgen, sondern die Versicherungslösungen auch passend für Ihren individuellen Bedarf auswählen.

In unserem Beitrag lesen Sie:

  • wie Sie Ihren Versicherungsbedarf bestimmen
  • welche Basis- und Pflichtversicherungen für Handwerker Sie brauchen
  • welche Zusatzversicherungen für Handwerksbetriebe sinnvoll sind

So ermitteln Sie Ihren individuellen Versicherungsbedarf

Für die Auswahl der passenden Betriebsversicherungen für Ihren Handwerksbetrieb ist ein Überblick über die möglichen Gefahren und Risiken wichtig, die sich aus dem täglichen Betriebsablauf ergeben. Grundlegend können dabei für die allermeisten Handwerksbetriebe drei Gefahren-Gruppen ermittelt werden, die mit entsprechenden Handwerkerversicherungen abgedeckt werden sollten:

  1. Risiken für Mitarbeiter und Unternehmer durch Krankheit, Arbeitsunfälle oder Todesfälle
  2. Finanz- oder Vermögensrisiken durch Schäden am Firmeneigentum wie Gebäuden, Fuhrpark, Maschinen und Werkzeugen
  3. Risiken gegenüber Dritten durch Schadenersatzforderungen

Damit die Gefahren der ersten Gruppe abgedeckt werden können, sind Unternehmer gesetzlich dazu verpflichtet, für sich und angestellte Mitarbeiter eine Unfallversicherung (UVG) für Berufs- und Nichtberufsunfälle abzuschliessen. Für Betriebsinhaber kann hier aber auch eine Krankentagegeldversicherung sinnvoll sein, die finanzielle Hilfen bietet, sobald es zu einer Berufsunfähigkeit durch Krankheit oder Invalidität kommt: Wenn Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter aufgrund von Krankheit oder Schwangerschaft ausfallen, wird das Kostenrisiko bei Lohnfortzahlung (zum Beispiel im Mutterschutz) nicht vom Inhaber, sondern von der der entsprechenden Versicherung getragen. Ausserdem kann auch der Firmeninhaber das Krankentaggeld beziehen, falls er einen Unfall hat oder aus sonstigen Gründen ausfällt.

Weitere obligatorische Versicherungen für Handwerker in der Schweiz bilden zudem die Sozialversicherungen (AHV/IV/EO/ALV) sowie die berufliche Vorsorge (BVG, auch bekannt unter dem Begriff Pensionskasse).

Bei den Risiko-Gruppen zwei und drei besteht keine gesetzliche Pflicht, eine Versicherung abzuschliessen. Das heisst jedoch nicht, dass eine betriebliche Versicherung hier nicht sinnvoll sein kann. Im Gegenteil: Je nach Betriebsart und -einrichtung bietet sich Ihnen hier vielmehr die Möglichkeit, ein für Ihren Betrieb passendes Versicherungspaket mit einem Basis-Schutz vor möglichen Risiken zu schnüren:

BetriebsversicherungWas wird versichert?Wer ist geschützt?
Betriebshaftpflichtversicherung– Bearbeitungs- und Tätigkeitsschäden
– Mietsachschäden
–  Wasser- oder Abwasserschäden
– Vermögensschäden bei Dritten
– Unternehmer bzw. Betriebsinhaber und dessen gesetzliche Vertreter
– alle Mitarbeiter und Betriebsangehörigen
Sachversicherung– Maschinen
– technische Anlagen
– Büroausstattung
– Rohstoffe und produzierte Waren
– Unternehmer bzw. Betriebsinhaber
Geschäftsgebäudeversicherung– Risikoabsicherung aller Betriebsgebäude– Unternehmer bzw. Betriebsinhaber
Betriebsunterbrechungsversicherung– ersetzt den Gewinn und deckt laufende Kosten (Löhne, Miete, Steuern etc.) bei einer Betriebsunterbrechung– Unternehmer bzw. Betriebsinhaber und dessen gesetzliche Vertreter
– alle Mitarbeiter und Betriebsangehörigen

Im Folgenden erläutern wir Ihnen diese vier Basis-Versicherungen näher.

Betriebliche Haftpflichtversicherung für Handwerker

Grundsätzlich ist für alle Handwerksbetriebe eine Betriebshaftpflichtversicherung wichtig, da die Privathaftpflicht den unternehmerischen Bereich nicht umfasst. Im Falle von Personen-, Sach- oder Vermögensschäden schützt eine betriebliche Haftpflichtversicherung Unternehmer, Handwerker sowie angestellte Mitarbeiter gegenüber entstandenen Schadenersatzforderungen von Dritten: Arbeitet beispielsweise ein Tischler vor Ort beim Kunden und beschädigt versehentlich dessen Mobiliar, deckt die betriebliche Haftpflichtversicherung den entstandenen Sachschaden ab.

Mit einer Betriebshaftpflichtversicherung verhindern Sie, dass ein Handwerksbetrieb mit dem gesamten Vermögen für Schäden oder Rechtsansprüche haften muss. Auf diese Weise entstehen für Betriebsrisiken keine Verluste, die die finanzielle Kapazität übersteigen und in den Konkurs führen können: So ist eine Betriebshaftpflichtversicherung sogar bereits für selbstständige Handwerker oder kleinere Betriebe wirtschaftlich.

Spezielle Betriebshaftpflichtversicherungen bieten Firmen sogar einen Deckungsschutz gegenüber Umweltschäden an: Dieser Versicherungsschutz ist besonders wichtig, wenn der Umgang mit Gefahrstoffen zur Ihrem Betriebsalltag gehört: Entweichen Gase, Säuren oder andere gefährliche Stoffe in die Umwelt, sind Sach- oder Personenschäden nicht immer auszuschliessen. Hier greift die Betriebshaftpflichtversicherung und deckt die entstandenen Ausgaben und Schadenersatzforderungen ab.

Anders als eine Betriebshaftpflichtversicherung deckt eine Berufshaftpflicht Vermögensschäden an Dritten ab, die aus der eigenen betrieblichen Tätigkeit heraus entstanden sind. So versichert eine spezielle Versicherung für Dachdecker ein unsachgemäss gedecktes Dach, das zu Schäden im Innenbereich geführt hat.

Sachversicherung für das gesamte Betriebsinventar

Diese Art der Betriebsversicherung ersetzt den Vermögenswert des Betriebsinventars, wenn es zerstört wird oder verloren geht. Dazu gehören unter anderem Maschinen, Werkzeuge, Lagerbestände, Rohstoffe und Produkte und andere Inneneinrichtungsgegenstände in Ihrem Handwerksbetrieb. Sachversicherungen können vor allem dann besonders sinnvoll sein, wenn Sie in Ihrem Betrieb teure Maschinen oder Spezialwerkzeuge nutzen.

Der Versicherungsrahmen umfasst in der Regel durch Brände, Einbrüche oder Diebstähle, Wasserschäden sowie diverse Naturkatastrophen entstandene Schäden. Kommt es beispielsweise in einer Auto-Werkstatt durch eine aktivierte Sprinkleranlage zu Wasserschäden an Werkzeug, Hebebühnen, Computertechnik oder Möbeln, greift die Sachversicherung.

Geschäftsgebäudeversicherung für Firmenimmobilien

Um Betriebsgebäude ausreichend gegen Risiken abzusichern, ist eine Gebäudeversicherung sinnvoll. Grundsätzlich deckt diese Versicherung für Handwerker Gebäudeschäden, die durch Feuer, Einbruch oder Diebstahl sowie Raub, Rohrbrüche und witterungsbedingte Ereignisse entstanden sind.

Die Geschäftsgebäudeversicherung umfasst Werkstätten, Büro- und Wirtschaftsgebäude sowie Lagerhallen. Stürzt beispielsweise bei einem Unwetter ein Baum in die Werkshalle einer Lackiererei, sind die Kosten dieses Elementarschadens durch die Geschäftsgebäudeversicherung versichert – vom Abtransport des Baumes über statische Gutachter bis hin zum Wiederaufbau der Werkstatt.

Betriebsunterbrechungsversicherung für Handwerker

Eine Betriebsunterbrechungsversicherung schützt Sie als Betriebsinhaber sowie alle Mitarbeiter vor den Risiken und Kosten eines Betriebs- bzw. Produktionsausfalls. Über die Versicherung werden je nach Versicherer die auflaufenden Kosten sowie entgangenen Gewinne bis zur erneuten Aufnahme des Betriebs ersetzt: Dadurch ist es Handwerkern möglich, auch im Falle einer Geschäftsunterbrechung die Miet- sowie Betriebskosten, Löhne und Gehälter weiterzuzahlen, ohne dass das Betriebsvermögen der Handwerksfirma geschädigt wird.

Einem ähnlichen Prinzip folgt die Betriebsschliessungsversicherung. Sie schützt vor allem Handwerksbetriebe im Lebensmittelbereich, wenn diese beim Verdacht auf einen Seuchenausbruch oder andere Krankheitserreger ihren Betrieb einstellen müssen.

Ergänzende Betriebsversicherungen für Handwerker und Gewerbetreibende

Neben den beschriebenen Basis-Versicherungen gibt es weitere Betriebsversicherungen für Handwerker, die – je nachdem, zu welchem Gewerk Ihr Betrieb gehört – weitere Schadensfälle abfangen können:

Betriebliche VersicherungVersicherungsbestandteileFür wen empfehlenswert?
Rechtsschutzversicherung– Kostenübernahme für Gericht, Anwalt, Gutachten usw.– alle Gewerke
Fahrzeug-Versicherung– Schäden an sowie Verlust von Firmenfahrzeugen
– ergänzender Kasko-Schutz zur Auto-Haftpflichtversicherung
– Handwerksbetriebe mit mehreren Betriebsfahrzeugen
Transportversicherung– Erstattung von Schäden und Verlust von Werkzeugen und Waren in Firmenwagen durch Unfall, Brand, Raub sowie Einbruchdiebstahl– Gewerke mit Firmenwagen
– Gewerke mit regelmässigen Arbeitseinsätzen bei Kunden vor Ort
Technische Versicherung– Schutz von Maschinen und Produktionsanlagen
– Schutz von fahrbaren Grossgerätschaften vor Bedienungs- und Materialfehlern
– alle Gewerke mit hochwertigen Betriebs- und Fertigungsanlagen
Elektronikversicherung– Schutz von IT- und Kommunikationsanlagen sowie Sicherheitstechnik– Handwerksbetriebe mit vernetzten Elektronikanlagen
Glasversicherung– Ersatz bei Schäden und Bruch von Scheiben, Glaswänden und -türen, Lichtkuppeln sowie Werbeflächen und Photovoltaikanlagen– Firmen mit vielen fest verbundenen Innen- und Aussenverglasungen oder Solaranlagen
Cyberversicherung– Schutz vor finanziellen Folgen von Hacker-Angriffen sowie daraus entstandenen Schadenersatzansprüchen– alle Gewerke mit Zugang zum Internet oder cloudbasierten Anwendungen

FAQ zu Versicherungen für Handwerker

Was deckt die Betriebshaftpflichtversicherung ab?

Eine betriebliche Haftpflichtversicherung deckt Personen-, Sach- oder Vermögensschäden ab, die in einem Handwerksbetrieb entstehen. Die Betriebshaftpflichtversicherung schützt darüber hinaus den Betriebseigner sowie angestellte Mitarbeiter gegenüber entstandenen Schadenersatzforderungen von Dritten. Dadurch verhindert die Versicherung, dass der Eigner mit dem gesamten Betriebsvermögen haften muss und dem Handwerksbetrieb finanzielle Schäden oder Verluste entstehen.

Was ist eine Betriebsversicherung?

Betriebsversicherungen werden auch als Firmen- oder Gewerbeversicherungen bezeichnet. Sie decken diverse Risiken von Betrieben ab und können von Unternehmern, selbständigen Handwerkern oder Betriebseignern abgeschlossen werden. Obwohl ein Handwerksbetrieb andere Versicherungen als eine Handelsfirma benötigt, sind bestimmte Basis-Versicherungen verpflichtend bzw. sinnvoll:

• Sozialversicherungen für Mitarbeiter und Angestellte
• Betriebshaftpflichtversicherung
• Sachversicherung
• Betriebsgebäudeversicherung
• Betriebsunterbrechungsversicherung

Warum ist eine Betriebshaftpflichtversicherung für Handwerker wichtig?

Eine Betriebshaftpflichtversicherung kommt für Personen- und Sachschäden auf, die ein Handwerker beim Ausführen seiner Tätigkeit verursacht hat. Auf diese Weise muss ein Unternehmer nicht mit dem gesamten Betriebsvermögen haften. Im Versicherungsschutz sind je nach Anbieter alle Angestellten, Mitarbeiter sowie Azubis und Aushilfskräfte inbegriffen.

Welche Betriebsversicherungen gibt es?

Grundsätzlich lassen sich Betriebsversicherungen in drei Hauptgruppen unterteilen: Die erste sind die Sachversicherungen. Dazu gehören zum Beispiel die Geschäftsgebäudeversicherung, die Sachversicherung sowie eine gewerbliche Rechtsschutzversicherung.

Der zweiten Gruppe, die die betrieblichen Haftpflichtversicherungen umfasst, gehören die Betriebshaftpflicht-, die Berufshaftpflicht- sowie die Umwelthaftpflichtversicherung.

Zuletzt bilden die Betriebsunterbrechungs-, die Betriebsausfall- und die Krankentagegeldversicherung die Gruppe der Ausfallversicherungen.

Daneben gibt es noch eine Vielzahl weiterer gewerblicher Versicherungen, die je nach individuellem Bedarf abgeschlossen werden können.

Bitte beachten Sie: Die hier erwähnten Vorschriften sind nur eine Auswahl der wichtigsten gesetzlichen Vorgaben. Detaillierte Informationen lesen Sie dazu in den aufgeführten und ggf. weiteren Vorschriftensammlungen und Gesetzestexten nach. Bei der konkreten Umsetzung im Betrieb können und sollten im Zweifel außerdem Sachverständige hinzugezogen werden. 

Bildquellen:
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