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Ob in Produktionsbetrieben, Handwerksunternehmen oder in der Hobbywerkstatt zuhause: Überall da, wo Chemikalien zum Einsatz kommen, müssen sie auch vorschriftsmässig und entsprechend ihrer Art entsorgt werden. Der Begriff „Chemikalien“ wird dabei allgemein für sämtliche Stoffe verwendet, die durch ihre Anwendung eine chemische Reaktion auslösen. Während diese Wirkung im jeweiligen Anwendungsgebiet gewünscht ist, kann sie in der falschen Umgebung gefährliche Auswirkungen haben – zum Beispiel, wenn Chemikalien durch eine falsche Entsorgung ins Grundwasser gelangen.Die Entsorgung von Chemikalien muss deshalb unbedingt über entsprechende Sammelstellen oder spezialisierte Entsorgungsunternehmen erfolgen.

Für die Chemikalienentsorgung gelten in der Schweiz sowie europaweit strenge Richtlinien, zu deren Umsetzung sowohl Industriebetriebe als auch Privathaushalte verpflichtet sind. Auf keinen Fall dürfen die potenziell gefährlichen Stoffe über den normalen Haus- oder Gewerbemüll entsorgt werden.

Gesetzliche Bestimmungen zur Entsorgung von Chemikalien

Den rechtlichen Rahmen für die Entsorgung von Chemikalien und anderen Gefahrstoffen bilden in der Schweiz die folgenden Gesetze und Verordnungen:

Wie werden Chemikalien richtig entsorgt?

Chemikalien wie Säuren oder Laugen kommen in den verschiedensten Produkten wie zum Beispiel Farben und Lacken, Spezialreinigern, Lösungsmitteln oder chemischen Düngern oder auch in unverarbeiteter Form vor. Ein grosser Teil davon erfordert sowohl bei der Anwendung als auch bei der Entsorgung besondere Vorsicht. Chemikalien bzw. chemischen Inhaltsstoffe lassen sich dazu in drei Gruppen einteilen:

  • entzündliche und/oder explosive Chemikalien: z. B. Kunststoffe, Lacke, Lösungsmittel, Öle
  • feste oder flüssige ätzende Stoffe: z. B. Natriumperoxid, Chlor, Ätznatron, Baukalk, Phosphorsäure, Salpetersäure, Natronlauge, Schwefeldioxid
  • umweltgefährdende Stoffe: z. B. Schwefeltrioxid, Trichlormethan, Schwermetalle wie Blei oder Quecksilber

Damit Sie die Chemikalien fachgerecht entsorgen bzw. an ein Entsorgungsunternehmen weitergeben können, müssen diese zunächst streng von anderen Abfallprodukten getrennt werden. So stellen Sie nicht nur sicher, dass alle Abfälle optimal wiederverwertet werden können, so wie es in der Abfallverordnung vorgesehen ist, sondern es während der Zwischenlagerung nicht zu gefährlichen Reaktionen mit Rauch- oder Brandentwicklung bzw. Explosionen kommen kann.

Dazu sind sowohl bei der Chemikalienentsorgung in Betrieben, Laboren oder Produktionsunternehmen geeignete Behälter zur Gefahrstofflagerung auszuwählen. Dazu gehören zum Beispiel feuerfeste Behälter für leicht entzündliche Stoffe oder Sammeltonnen für die Entsorgung von Säuren und Laugen. Welche Behältnisse zur Zwischenlagerung geeignet sind, entnehmen Sie den Vorschriften aus der oben aufgeführten Abfallverordnung und der Verordnung über den Verkehr mit Abfällen.

Chemikalien in Betrieben entsorgen

Industriebetriebe oder Labore, in denen grössere Mengen an Chemikalien und Chemikalienresten anfallen, beauftragen in der Regel externe Dienstleister, die auf die Entsorgung von Laborchemikalien und Gefahrstoffen spezialisiert sind. Diese zertifizierten Entsorgungsfachbetriebe stellen üblicherweise die passenden Sammelbehälter zur Verfügung und tauschen diese in den vereinbarten Zeitabständen aus. In diesem Fall ist der Dienstleister dafür zuständig, die Chemikalien fachgerecht zu entsorgen und sich um die für die Dokumentation notwendigen Nachweise zu kümmern.

Nichtsdestotrotz müssen Sie innerhalb des Betriebes für einen sicheren Aufbewahrungsort sowie die eindeutige Kennzeichnung von chemischen Abfällen sorgen. Hierfür sollten folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • gut belüfteter Raum mit undurchlässiger, leicht zu reinigender Bodenbeschichtung
  • gegebenenfalls Auffangwannen oder -becken für toxische Flüssigkeiten
  • Kennzeichnung des Raums mit entsprechenden Sicherheitshinweisen und Gefahrensymbolen
  • Beschriftung der Abfallbehälter mit den entsprechenden Gefahrensymbolen und Inhaltsstoffen

Chemikalien privat entsorgen

Im Privathaushalt fallen Chemikalienabfälle üblicherweise nur in Kleinmengen an und sind deshalb von den strengen Lager- und Kennzeichnungsvorschriften ausgenommen, auch eine Dokumentation der Entsorgung ist nicht nötig. Nichtsdestotrotz müssen Sie dafür sorgen, dass gefährliche Stoffe sicher verwahrt werden und keine potenzielle Gefahr für Ihren Haushalt oder die Umwelt darstellen können.

Wenn Sie chemische Abfälle privat entsorgen wollen, kommt je nach Wohnort eine der beiden Möglichkeiten infrage:

  • Sonderabfallsammelstellen oder Werstoffhöfe der kantonalen Entsorgungsgesellschaft
  • Sonderabfallmobil, das in einigen Kantonen quartalsweise oder halbjährlich für die Entsorgung von Chemikalien und anderen Gefahrstoffen zur Verfügung gestellt wird

Für bestimmte Produkte können Sie auch die Angebote zur freiwilligen Rücknahme durch den Händler nutzen. So können Sie zum Beispiel abgelaufene Medikamente in Apotheken abgeben.

FAQ zur Chemikalien-Entsorgung

Warum müssen Chemikalien vorschriftsmässig entsorgt werden?

Chemikalien können explosive, ätzende oder solche Eigenschaften besitzen, die geeignet sind, die Beschaffenheit des Naturhaushaltes von Wasser, Boden, Luft oder Lebewesen schadhaft zu verändern. Durch eine falsche Entsorgung von Chemikalien, bei der es zum Kontakt mit anderen Stoffen oder der Umwelt (z. B. Boden oder Grundwasser kommt), kann es deshalb je nach Eigenschaften der betreffenden Chemikalien zu Explosionen, Brandentwicklung oder schwerwiegenden Umwelt- und Gesundheitsschäden kommen. Die Entsorgung von Chemikalien muss deshalb unbedingt über entsprechende Sammelstellen oder spezialisierte Entsorgungsunternehmen erfolgen.

Welche Vorschriften gelten bei der Entsorgung von Chemikalien?

Den rechtlichen Rahmen für die Entsorgung von Chemikalien und anderen Gefahrstoffen bilden in der Schweiz die folgenden Gesetze und Verordnungen:
– Die Abfallverordnung (VVEA) sowie die Verordnung über den Verkehr mit Abfällen (VeVA): Hier werden alle Arten von in der Schweiz vorkommenden Abfällen (wie zum Beispiel Chemikalien) definiert und deren Entsorgung festgehalten.
– Das Chemikaliengesetz (ChemG): Es regelt den allgemeinen Umgang mit Gefahrstoffen.
– Das Gewässerschutzgesetz (GSCHG) sowie die dazugehörige Gewässerschutzverordnung (GSchV): Durch diese Gesetze wird verhindert, dass wassergefährdende Stoffe zur Entsorgung in öffentliche Gewässer gelangen.

Welche Stoffe zählen zu Chemikalien?

Chemikalien bzw. chemischen Inhaltsstoffe lassen sich dazu in drei Gruppen einteilen:
– entzündliche und/oder explosive Chemikalien: z. B. Kunststoffe, Lacke, Lösungsmittel, Öle
– feste oder flüssige ätzende Stoffe: z. B. Natriumperoxid, Chlor, Ätznatron, Baukalk, Phosphorsäure, Salpetersäure, Natronlauge, Schwefeldioxid
– umweltgefährdende Stoffe: z. B. Schwefeltrioxid, Trichlormethan, Schwermetalle wie Blei oder Quecksilber

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