Lesezeit: 3 Minuten

Die umweltfreundliche Beseitigung von Abfällen ist eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit. Umso wichtiger ist das fachgerechte Entsorgen von Gewerbemüll und Industrieabfällen im Betrieb. Hier geht es für Betriebseigner zum einen darum, verantwortungsbewusst zu handeln. Zum anderen sollen mit einem durchdachten Abfallbeseitigungskonzept aber auch Zeit und Kosten eingespart werden. Grosse Mengen von Gewerbe- und Industriemüll können über klassische Abfallbehälter bzw. Entsorgungssysteme entsorgt werden. Es gibt jedoch auch Sondermüll, dessen Entsorgung speziellen Anforderungen und Vorschriften entsprechen muss.

Allgemeine Vorschriften für private und gewerbliche Müllentsorgung

Alle Arten von Abfällen, die in der Schweiz vorkommen, sind in der Abfallverordnung (VVEA) sowie in der Verordnung über den Verkehr mit Abfällen (VeVA) festgehalten. Diese Verordnung gilt als Grundlage für eine fachgerechte Abfallentsorgung – egal ob gewerblich oder privat.

Anhang 1 der Abfallverordnung definiert die verschiedenen Arten von Abfall mit jeweiligen Codes und unterteilt diese in die folgenden 8 Klassen:

  • Klasse 1: Chemische Abfälle
  • Klasse 2: Medizinische Abfälle
  • Klasse 3: Metallische Abfälle
  • Klasse 4: Mineralische Abfälle
  • Klasse 5: Anlagen, Maschinen, Fahrzeuge und Zubehör sowie Elektro- und Elektronikgeräte
  • Klasse 6: Biogene Abfälle
  • Klasse 7: Schlämme und Behandlungsrückstände
  • Klasse 8: Weitere Abfallarten

Abschnitt 3 der Abfallverordnung sieht vor, dass die einzelnen Kantone dafür Sorge tragen, dass verwertbare Anteile von Abfällen – wie zum Beispiel Glas, Papier, Karton, Metalle, Grünabfälle und Textilien – getrennt gesammelt oder verwertet werden, sofern die betrieblich machbar ist.

Sonderabfälle bis zu einem Gewicht von 20 kg, die aus gewerblichen Betrieben mit weniger als 10 Vollzeitstellen stammen und nicht betriebsspezifisch sind, können im regulären Abfallzyklus entsorgt werden. Für Unternehmen mit 250 oder mehr Vollzeitstellen gelten spezielle Vorschriften: Verwertbare, mit Siedlungsabfällen vergleichbare Abfälle, müssen, sofern möglich, sinnvoll getrennt und verwertet werden.

Was ist Gewerbeabfall?

Viele mögliche Gewerbeabfälle kommen auch in privaten Haushalten vor: Restmüll, Papier und Karton, Glas oder Bio-Abfälle. Solchen Gewerbemüll zu entsorgen, funktioniert genauso wie zu Hause: Der Abfall wird getrennt in den entsprechenden Behältern entsorgt, die vom beauftragten Entsorger abgeholt oder zu entsprechenden Wertstoffhöfen gebracht werden. Gerade in Industriebetrieben fällt zusätzlich häufig Sondermüll an, wie zum Beispiel:

  • Altöl
  • Bauschutt
  • Chemikalien
  • Elektromüll
  • Holz
  • Sperrmüll
  • Kunststoffe

Unternehmen müssen diese Abfälle trennen und Sondermüll auf den jeweiligen Sonderwegen entsorgen.

Gewerbeabfall entsorgen

Für die Entsorgung von normalen Gewerbeabfällen gelten in der Schweiz dieselben Regeln wie für die Entsorgung von Haushaltsabfällen. Dabei wird von den verschiedenen Kantonen folgendes Prinzip angewendet:

Was?
Brennbare Abfälle aus Gewerbe und Industrie

Was nicht?
Verwertbare Abfälle wie zum Beispiel Elektronik- und Elektrogeräte, Papier und Karton, Glas, Metall, PET, Plastik, unbrennbare Abfälle usw. Diese Abfälle müssen unter Vorbehalt der Möglichkeiten und der wirtschaftlichen Tragbarkeit gesammelt und an den entsprechenden Stellen dem Recycling zugeführt werden. Achtung: Nur bei Kleinmengen, die etwa der eines normalen Haushalts entsprechen, können die Sammelstellen für Haushalte benutzt werden.

Wie und wann?
In Containern an den Daten der Kehrichtabfuhr der jeweiligen Kantone für Haushalte oder auf den entsprechenden Wertstoffhöfen

Bauabfälle, die als Sonderabfälle gelten, müssen von den normalen Abfällen getrennt und separat entsorgt werden. Die übrigen Bauabfälle auf der Baustelle müssen in folgenden Tranchen getrennt werden:

  • Ober- und Unterboden, der abgetragen wurde
  • Aushub- und Ausbruchmaterial, das unverschmutzt ist
  • zudem Aushub- und Ausbruchmaterial nach Anhang 3 Ziffer 2 der Abfallverordnung
  • Ausbauasphalt, Betonabbruch, Strassenaufbruch, Mischabbruch, Ziegelbruch und Gips
  • stofflich verwertbare Abfälle wie zum Beispiel Glas, Metalle, Holz und Kunststoffe
  • brennbare Abfälle, die nicht stofflich verwertet werden können
  • sonstige Abfälle.

Im Falle, dass eine Trennung weiterer Bauabfälle auf der Baustelle nicht möglich ist, müssen diese auf dafür vorgesehenen und geeigneten Anlagen getrennt werden.

Richtige Gewerbemüllentsorgung – was darf in den Gewerbeabfall?

Wer Getrenntsammlung betreibt und Gewerbemüll entsorgen möchte, nutzt dazu die herkömmlichen Wege. Wenn mehr als nur gewöhnlicher Rest- oder Recyclingmüll anfällt, so ist es wichtig, sich mit den entsprechenden Vorschriften und Regelungen zur fachgerechten Sondermüllentsorgung auseinanderzusetzen.

Gewerblicher Sonderabfall wie zum Beispiel

  • Farben
  • Lacke
  • Laugen
  • Batterien
  • medizinische Abfälle oder
  • Quecksilber

ist über spezialisierte Sonderabfallfirmen in den jeweiligen Kantonen zu entsorgen.

Die Gewerbemülltonne – Behälter für die gewerbliche Abfallentsorgung

Um Gewerbemüll zu entsorgen, gibt es Mülltonnen und Abfallbehälter in unterschiedlichen Ausführungen. Abfallbehälter aus Kunststoff sowie aus Edelstahl eignen sich für den Innen- und den Aussenbereich. Für den Abfall, der in der Gewerbemülltonne nichts zu suchen hat, gibt es zudem Wertstoff- und Spezialsammler. So gestaltet sich die Mülltrennung in Unternehmen besonders einfach und komfortabel.

Bitte beachten Sie: Die hier erwähnten Vorschriften sind nur eine Auswahl der wichtigsten gesetzlichen Vorgaben. Detaillierte Informationen lesen Sie dazu in den aufgeführten und ggf. weiteren Vorschriftensammlungen und Gesetzestexten nach. Bei der konkreten Umsetzung im Betrieb können und sollten im Zweifel ausserdem Sachverständige hinzugezogen werden.

Bildquellen:
© gettyimages.de – dlewis33