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Als Gefahrstoffe werden Stoffe bezeichnet, die ein chemisches Gefährdungspotenzial mit sich bringen. Im Umgang mit Gefahrstoffen müssen verschiedene Regelungen beachtet werden. Sie legen fest, wie Arbeitgeber ihrem Personal ein sicheres Arbeiten ermöglichen können. In unserem Ratgeber erhalten Sie alle wichtigen Informationen zum Thema.

Definition von Gefahrstoffen

In der Schweiz unterliegen Gefahrstoffe dem sogenannten Chemikaliengesetz (ChemG). Unter Gefahrstoffen werden sowohl Reinstoffe wie Elemente und Verbindungen, als auch aus diesen hergestellte Stoffgemische zusammengefasst. Die Gefährlichkeitsmerkmale werden vom Bundesrat festgelegt.

Gut zu wissen: Als gefährlich gelten laut Artikel 3 des ChemGStoffe und Zubereitungen, die das Leben oder die Gesundheit durch physikalisch-chemische oder toxische Wirkung gefährden können“. Nähere Informationen zur Klassifizierung finden sich in der Wegleitung zum Einstufen, Kennzeichnen und Verpacken von Stoffen und Zubereitungen in der Schweiz.

Einheitliches System zum Umgang mit Gefahrstoffen: Das GHS

Für den Umgang mit Gefahrstoffen gibt es zahlreiche Verordnungen, Regeln und Normen, die zugunsten der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu beachten sind. Das „Globally Harmonized System“ GHS der UNO regelt die Kennzeichnung und Einstufung von Chemikalien. Die Abkürzung steht für das „Global harmonisierte System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien“ der Vereinten Nationen, das die Systeme einzelner Länder weltweit vereinheitlicht. Die Richtlinie findet sowohl für Verpackungen als auch in Sicherheitsdatenblättern Anwendung. Um technische Hemmnisse des Handels zu vermeiden, hat die Schweiz ihre rechtlichen Grundlagen mit den Bestimmungen des GHS in Einklang gebracht.

Die Gefahren für die menschliche Gesundheit und Sicherheit sowie die Umwelt sollen durch das einheitliche System weltweit minimiert werden – sowohl im Transportwesen als auch bei der Herstellung und Verwendung von Gefahrstoffen. Die Richtlinie sorgt für einheitliche Gefahren-Piktogramme sowie Risiko- und Sicherheitssätze, die die Gefährlichkeit eines Stoffes einstufen. Wurden Gefahrensymbole bislang in quadratischer Form und mit orangefarbenem Hintergrund dargestellt, so präsentieren sie sich durch das GHS nun in Form einer rot umrandeten Raute mit weissem Hintergrund.

Weitere Regelungen zum Umgang mit Gefahrstoffen

Neben dem GHS als Grundlage müssen je nach Gefahrstoff und Einsatzbereich weitere Verordnungen, Regeln und Normen beachtet werden:

  • Durch das Gewässerschutzgesetz (GSchG) wird verhindert, dass wassergefährdende Stoff ins Wasser gelangen. Eine ausführliche Erläuterung und Anwendung der Bestimmungen des GSchG finden Sie auch in unserem Ratgeberartikel zum Gewässerschutzgesetz.
  • Die Europäische Norm zu den baulichen Anforderungen und Prüfkriterien für Gefahrstoffschränke zur Lagerung entzündbarer Flüssigkeiten und Druckgasflaschen (EN 14470-1 und -2) bringt die entsprechenden Regelungen EU-weit auf denselben Stand.
  • In den EKAS-Richtlinien finden sich Grundlagen sowie Empfehlungen für den Umgang mit Gefahrstoffen in Laboratorien.
  • Die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS 400, 510, 526, 800) bieten Empfehlungen und Vorschläge zur technischen Umsetzung der Regelungen aus der Gefahrstoffverordnung.

Pflichten des Arbeitgebers

Im Umgang mit Gefahrstoffen im Betrieb trägt der Arbeitgeber in besonderem Masse Verantwortung für das Personal. Dazu gehört die Einhaltung gesetzlicher Regelungen, Verordnungen und Normen zum Schutz der Beschäftigten, ihrer Gesundheit und Sicherheit

Grundsätzlich gilt im Umgang mit Gefahrstoffen die Reihenfolge:

  • Vermeiden
  • Eindämmen
  • Schützen

Gefahrstoffe sollten demnach so wenig wie möglich eingesetzt werden. Die entsprechenden Arbeitsbereiche sind möglichst abzutrennen oder speziell zu sichern. Darüber hinaus ist im Bedarfsfall eine persönliche Schutzausrüstung an die Mitarbeiter kostenlos auszuhändigen. Auch muss für den Umgang mit Gefahrstoffen eine Unterweisung erfolgen.

Diese Punkte sollten Arbeitgeber zudem beachten:

  • Stoffe sind nach einer Gefährdungsbeurteilung als potenzielle Gefahrstoffe zu prüfen.
  • Gefahrstoffe müssen entsprechend sichtbar gekennzeichnet werden.
  • Die entsprechenden Sicherheitsdatenblätter für den Umgang mit den Gefahrstoffen müssen Mitarbeitenden zugänglich sein.
  • Warnschilder müssen aufgestellt bzw. Sicherheitskennzeichen angebracht werden.
  • Beschäftigte sollten regelmässig geschult werden.
  • Eine regelmässige Vorsorgeuntersuchung der Mitarbeiter durch Betriebs- oder Arbeitsmediziner kann je nach Gefahrstoff erforderlich sein.

Schutzmassnahmen zum Umgang mit Gefahrstoffen

Mitarbeiter prüft Gefahrstofflagerung

Bevor konkrete Massnahmen geplant werden, erfolgt eine Gefährdungsbeurteilung der entsprechenden Stoffe. Diese sollte in regelmässigen Abständen wiederholt werden. Um das Gefahrenpotenzial richtig einzuschätzen, ziehen Sie externe oder interne Experten für Arbeitsschutz, Gesundheit und den entsprechenden Gefahrenstoff hinzu.

Aus der Gefährdungsbeurteilung ergeben sich Ansatzpunkte für mögliche Schutzmassnahmen. Diese lassen sich in vier aufeinander aufbauende Kategorien einteilen:

  • Ersetzen der Gefahrstoffe durch ungefährlichere Substanzen
  • Technische Schutzmassnahmen (z. B. durch geschlossene Systeme, Absaugung, Lüftungssysteme)
  • Organisatorische Schutzmassnahmen (z. B. Unterweisung im Umgang mit Gefahrstoffen, Wartungspläne, Arbeitszeitbegrenzung)
  • Persönliche Schutzmassnahmen (z. B. Atemmasken, Schutzkleidung)

Auch bei der Wahl geeigneter Massnahmen können Spezialisten für Arbeitsschutz oder Betriebsärzte unterstützen.

Gefahrstoffe richtig lagern

Beim verantwortungsvollen und sicheren Umgang mit Gefahrstoffen spielt auch die Aufbewahrung eine wichtige Rolle. Vorschriften und Regelungen zur sicheren Lagerung von Gefahrstoffen finden Sie im Chemikaliengesetz (ChemG). Die Stoffe müssen so gelagert werden, dass sie weder der Gesundheit noch der Umwelt schaden können. Je nach Gefährdungspotenzial erfolgt die Aufbewahrung beispielsweise in geschlossenen Sicherheitsbehältern oder Sicherheitsschränken, die mit einer entsprechenden GHS-Kennzeichnung versehen sind. Auch die Lagerräume müssen speziellen Anforderungen genügen und u. a. mit standsicheren Schwerlastregalen ausgestattet sein. Ausserdem ergeben regelmässige Kontrollen, die lückenlose Dokumentation dieser und ein Verzeichnis der gelagerten Gefahrstoffe Sinn.

Die Kleinmengenregelung für Gefahrstoffe

Neben allgemeinen Regelungen zur Lagerung von Gefahrstoffen werden in der deutschen TRGS 510 „Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern“ speziell auch Kleinmengen berücksichtigt, um die Aufbewahrung geringer Mengen an Gefahrstoffen in der Praxis zu erleichtern. Schweizer Betriebe können diese Empfehlungen ebenfalls in den Arbeitsalltag mit Gefahrstoffen integrieren. Als Kleinmengen laut TRGS gelten Gefahrstoffe:

  • wenn die Gesamtmenge aller Gefahrstoffe in einem Gebäude bzw. einer Brandschutzeinheit maximal 1.500 kg beträgt.
  • wenn die für die verschiedenen Gefahrstoffkategorien (z. B. akut toxische Flüssigkeiten, entzündbare Gase, karzinogene Gefahrstoffe, usw.) festgelegten Einzelmengen nicht überschritten werden.

Sind beide Anforderungen erfüllt, greift in Deutschland die Kleinmengenregelung, nach der Gefahrstoffe nicht in einem separaten Gefahrstofflager aufbewahrt werden müssen. Als Lagerorte kommen das allgemeine Rohstoff- oder Warenlager des Betriebs oder auch Arbeitsräume infrage, wenn sie den Vorgaben zur sicheren Verwahrung des jeweiligen Gefahrstoffs entsprechen: Die TRGS 510 gibt dazu für jede Gefahrstoff-Kategorie eine Mengenbegrenzung zur Lagerung ausserhalb eines separaten Gefahrstofflagers an.

Zusätzlich sollten Betriebe auch bei der Lagerung von Kleinmengen immer ein Gefahrstoffverzeichnis führen und für jeden Stoff eine Gefährdungsbeurteilung durchführen. Damit ermitteln Sie, welche konkreten Gefahren von ihm ausgehen und welche Schutzmassnahmen für den Lagerort eingehalten werden müssen.  

Wichtig: Je gefährlicher ein Gefahrstoff ist, desto geringer ist die Menge, die Sie davon ausserhalb eines gesonderten Gefahrstofflagers aufbewahren sollten. Für entzündbare Flüssigkeiten der Gefahrstoffkategorie 1 beträgt sie zum Beispiel nur 10 kg. Wird diese Mengenbegrenzung überschritten, benötigen Sie einen geeigneten Lagerraum oder Sicherheitsschrank – selbst wenn die für die Kleinmengenlagerung von Gefahrstoffen erlaubte Gesamtmenge von 1.500 kg noch längst nicht erreicht ist.

Was ist bei der Zusammenlagerung von Gefahrstoffen zu beachten?

Wollen Sie Gefahrstoffe unterschiedlicher Gefahrstoff-Kategorien an einem Ort zusammen aufbewahren, müssen Sie zunächst sicherstellen, dass dadurch keine erhöhte Gefahr entsteht. Das wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn austretende Flüssigkeiten oder Gase miteinander reagieren und z. B. explosionsfähige Gemische entstehen könnten.

Die Vorgaben in den TRGS 510 zur Lagerung von Gefahrstoffen erlauben die Zusammenlagerung von Gefahrstoffen deshalbnur dann, wenn:

  • keine chemische Reaktion zwischen den gelagerten Gefahrstoffen eintreten kann
  • sie gleichartige Gefahreneigenschaften aufweisen (z. B. Entzündungsgefahr)
  • sie gleichartige Sicherheitsmassnahmen erfordern (z. B. gleiches Löschmittel)
  • sie gleiche Lagerbedingungen benötigen (z. B. Temperatur, Luftfeuchtigkeit)

Kann einer der aufgeführten Punkte nicht erfüllt werden, besteht ein Zusammenlagerungsverbot für die betreffenden Gefahrstoffe. Je nach Gefährdungspotenzial ist dann entweder die Getrenntlagerung im gleichen Lagerabschnitt – z. B. durch einen ausreichenden Abstand oder brandhemmende Trennwände und -Schränke – oder sogar die Separatlagerung in verschiedenen Lagern erforderlich.

Auch bei der Zusammenlagerung von Gefahrstoffen gilt für Kleinmengen eine Ausnahme: Beträgt die Gesamtmenge aller Gefahrstoffe maximal 200 kg und werden individuelle Mengenbegrenzungen eingehalten, dürfen die Gefahrstoffe zusammengelagert werden.

Um zu ermitteln, ob die Zusammenlagerung unterschiedlicher Gefahrstoffe unbedenklich ist, führt der Anhang 2 der TRGS 510 zu allen Gefahrstoffen umfangreiche Lagerklassen (LGK): Nach den dort festgelegten Kriterien werden Gefahrstoffe, die sich gleichartig verhalten und gleichartige Schutzmassnahmen erfordern, in einer LGK zusammengefasst. Anhand der Zusammenlagerungstabelle in den TRGS 510 (Abschnitt 13.3, Absatz 2, Tabelle 12) lesen Sie anschliessend ab, ob die Zusammenlagerung der Lagerklassen unbedenklich ist (grün), nur unter Einschränkungen erlaubt ist (gelb) oder ob ein Zusammenlagerungsverbot für die Gefahrstoffe besteht (rot).

Checkliste für den Umgang mit Gefahrstoffen im Betrieb

Mit unserer Checkliste organisieren Sie alle Massnahmen im Umgang mit Gefahrstoffen sicher und lückenlos :

Mitarbeitersicherheit beim Umgang mit Gefahrstoffen:

  • Hängt eine aktuelle Betriebsanweisung zum, Umgang mit Gefahrstoffen öffentlich aus?
  • Wurden alle Mitarbeiter in Bezug auf Arbeitssicherheit und Präventionsmassnahmen im Umgang mit Gefahrstoffen unterwiesen?
  • Ist gegebenenfalls eine geeignete PSA für alle Mitarbeiter vorhanden und zugänglich?
  • Sind passende Produkte zur medizinischen Erstversorgung wie Augenduschen, Atemschutz, und weitere vorhanden?

Lagersicherheit:

  • Werden alle Gefahrstoffe in dafür vorgesehenen, unbeschädigten Behältnissen gelagert?
  • Sind die eingelagerten Gefahrstoffe ordnungsgemäss gekennzeichnet?
  • Erfolgt die Gefahrstofflagerung separat und getrennt von Aufenthaltsräumen, Verkehrswegen und Nahrungsmitteln?
  • Ist ausreichend Lagerplatz vorhanden, inklusive einzuhaltender Leerbereiche?
  • Erfolgt die vorschriftsmässige räumliche Trennung von Gefahrstoffen durch Trennwände, separate Auffangwannen, usw.?
  • Werden alle krebserzeugenden, erbgutverändernden oder fortpflanzungsschädigenden Gefahrstoffe der Kategorie 1 und 2 verschlossen aufbewahrt?
  • Dürfen ausschliesslich befugte, sachkundige Personen die Lagerbereiche für Gefahrstoffe der Kategorie 1 und 2 betreten?
  • Sind geeignete Transportmittel für den sicheren Umgang mit Gefahrstoffen im Lager vorhanden und zugänglich?
  • Sind passende Hilfsmittel für den Umgang mit Leckagen wie z. B. Bindemittel oder Kanalschutz vorhanden und zugänglich?

FAQ zum Umgang mit Gefahrstoffen

Welche Bestimmungen sollten beim Umgang mit Gefahrstoffen beachtet werden?

– Chemikaliengesetz (ChemG)
– individuelle Betriebssicherheitsverordnung
– Das Globally Harmonized System (GHS)
– Gewässerschutzgesetz (GSchG)
– Die Europäische Norm zu den baulichen Anforderungen und Prüfkriterien für Gefahrstoffschränke zur Lagerung entzündbarer Flüssigkeiten und Druckgasflaschen (EN 14470-1 und -2)

Welche Pflichten hat der Arbeitgeber beim Umgang mit Gefahrstoffen im Betrieb?

Im Umgang mit Gefahrstoffen im Betrieb trägt der Arbeitgeber in besonderem Masse Verantwortung für das Personal. Dazu gehört die Einhaltung gesetzlicher Regelungen, Verordnungen und Normen zum Schutz der Beschäftigten, ihrer Gesundheit und Sicherheit.
Grundsätzlich gilt im Umgang mit Gefahrstoffen die Reihenfolge:
– Vermeiden
– Eindämmen
– Schützen

Wie müssen Gefahrstoffe gelagert werden?


Zum Umgang mit Gefahrstoffen gehört auch die sichere Lagerung. Die Stoffe müssen so gelagert werden, dass sie weder der Gesundheit noch der Umwelt schaden. Je nach Gefährdungspotenzial erfolgt die Aufbewahrung beispielsweise in geschlossenen Behältern oder Sicherheitsschränken, die mit einer entsprechenden GHS-Kennzeichnung versehen sind.

Bitte beachten Sie: Die hier erwähnten Vorschriften sind nur eine Auswahl der wichtigsten gesetzlichen Vorgaben. Detaillierte Informationen lesen Sie dazu in den aufgeführten und ggf. weiteren Vorschriftensammlungen und Gesetzestexten nach. Bei der konkreten Umsetzung im Betrieb können und sollten im Zweifel ausserdem Sachverständige hinzugezogen werden.

Bildquellen:
© gettyimages.de – Courtney Hale