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Hand- oder Flächendesinfektionsmittel kommen routinemässig in verschiedenen Betriebsbereichen aber auch im privaten Umfeld zum Einsatz. Da sie als umweltgefährdende chemische Stoffe eingestuft sind, müssen für einen ordnungsgemässen Umgang mehrere Richtlinien befolgt werden: Diese betreffen insbesondere die Lagerung, Haltbarkeit und Entsorgung von Desinfektionsmitteln. Doch auch für den Erwerb oder Transport von Chemikalien mit desinfizierenden Eigenschaften gibt es gesonderte Anforderungen.

Was sind Desinfektionsmittel und wie wirken sie?

Desinfektionsmittel sind wasserbasierte Lösungen mit chemischen Substanzen, die geeignet sind, unerwünschte Mikroorganismen wie Bakterien und Viren auf Flächen zu eliminieren. Bei korrekter Anwendung verhindern Desinfektionsmittel so, dass sich Infektionen und Krankheiten etwa über die Hände oder Türgriffe ausbreiten. Dazu werden die sogenannten mikrobiziden Zusätze wie Aldehyde oder Alkoholverbindungen selektiv in den Lösungen verarbeitet, denn: Mit einem Desinfektionsmittel sollen nicht alle Keime abgetötet werden. Es müssen lediglich so viele Mikroorganismen reduziert werden, dass keine Krankheitsübertragung stattfinden kann. Im Gegensatz dazu tötet ein Sterilisationsprozess alle vorhandenen lebenden Mikroorganismen ab.

Als Desinfektionsmittel für Wunden wird hingegen Antiseptikum verwendet. Diese Lösung verhindert, dass sich verletzte Körperstellen entzünden und eine Sepsis entstehen kann. Zudem unterstützt das Antiseptikum den Heilungsprozess der Wunde, da nützliche Bakterien in begrenztem Mass weiterexistieren und Wundheilungsstörungen verhindert werden können.

Generell gehören Desinfektionsmittel per rechtlicher Definition zu den Biozidprodukten, da ihre tiefgreifende Wirkung einen Grossteil von Mikroorganismen gefährdet oder abtötet. Aus diesem Grund sind biozide Substanzen in der EU-Verordnung EU Nr. 528/2012 klassifiziert und müssen standardisierte Prüfverfahren durchlaufen, bevor sie für die Anwendung freigegeben werden.

Damit der reinigende Effekt von Desinfektionsmitteln optimal ausgenutzt werden kann und sich keine resistenten Keime entwickeln, muss stets die richtige Desinfektionssubstanz in der geeigneten Menge verwendet werden – unabhängig vom Einsatzgebiet.

Anwendungsgebiete für Desinfektionsmittel

Schädigende, zu bekämpfende Mikroben klassifiziert das Robert Koch Institut (RKI) nach ihrem jeweiligen Zellaufbau:

A)

  • fungizid: inaktiviert Pilze und Pilzsporen
  • levurozid: wirksam gegen Hefepilze
  • bakterizid/mykobakterizid: zerstört vegetative Bakterien und Mykobakterien

B)

  • levurozid: wirksam gegen Hefepilze
  • begrenzt viruzid: bekämpft behüllte Viren
  • begrenzt viruzid Plus: eliminiert behüllte Viren sowie Adeno-, Noro- und Rotaviren

C)

  • sporizid: tötet Sporen ab

D)

  • einzelne pathogene Erreger werden abgetötet

Die meisten Hand- und Oberflächendesinfektionsmittel decken mehrere Wirkungsbereiche ab. Weiterführende Details für die korrekten Anwendungsbereiche von Desinfektionsmitteln finden Sie in der Biozid-Datenbank der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sowie in allen Herstellerangaben:

DesinfektionsmittelWirkungsspektrumAnwendungs-bereichKennzeichnung & EntsorgungHaltbarkeit nach AnbruchGesetzliche Regelung
Hand-desinfektion (Alkoholbasis)A, BReinigung der Hände– kennzeichnungs-pflichtiger Gefahrstoff
– Wertstoffhof o. Entsorgungsfachbetrieb
3–12 MonateEU Nr. 528/2012
Oberflächendesinfektion (Alkoholbasis)A, BReinigung von beständigen Oberflächen– kennzeichnungs-pflichtiger Gefahrstoff
– Wertstoffhof o. Entsorgungsfachbetrieb
3–12 MonateEU Nr. 528/2012
Oberflächendesinfektion (Aldehydbasis)A, B, (C)Reinigung von beständigen Oberflächen– kennzeichnungs-pflichtiger Gefahrstoff
– Wertstoffhof o. Entsorgungsfachbetrieb
3–12 MonateEU Nr. 528/2012
Oberflächendesinfektion (Tensidbasis)A, BAcrylglas & andere sensible Oberflächen– Reinigung nur durch mechanische Bewegungen möglich Voraussetzung
– individuelle Herstellerangaben beachten
3–12 MonateECHA-Zulassung nach CLP- & REACH-Verordnung, EU Nr. 528/2012
Desinfektionsmittel (Chlorbasis)D, (C)Trinkwasseraufbereitung– kennzeichnungs-pflichtiger Gefahrstoff
– Wertstoffhof o. Entsorgungsfachbetrieb
Bis zu 4 WochenEU Nr. 528/2012, § 11 der TrinkwV DIN EN 901
Desinfektionsmittel (Salzbasis)A, B, DTrinkwasser-aufbereitung, Oberflächen und Hand-desinfektionindividuelle Herstellerangaben beachten6–12 MonateECHA-Zulassung nach CLP- & REACH-Verordnung, EU Nr. 528/2012, § 11 der TrinkwV DIN EN 901
Instrumentendesinfektion (Alkoholbasis)A, BMedizinische Instrumente– gesonderte Auszeichnung, da mit Korrosionsschutz
– kennzeichnungs-pflichtiger Gefahrstoff
– Wertstoffhof o. Entsorgungsfachbetrieb
3–12 MonateEU Nr. 528/2012
AntiseptikumA, BWunddesinfektion, Handdesinfektion– kennzeichnungs-pflichtiger Gefahrstoff
– Wertstoffhof o. Entsorgungsfachbetrieb
6–12 MonateEU Nr. 528/2012
SterilliumA, BHanddesinfektion im medizinischen Bereich, z.B. Chirurgie (Einwirkzeit von 1,5 Minuten mit Langzeitwirkung bis zu 6h)– kennzeichnungs-pflichtiger Gefahrstoff
– Wertstoffhof o. Entsorgungsfachbetrieb
6–12 MonateEU Nr. 528/2012
Desinfektions-tücher (Alkoholbasis)A, B  Hand- und Oberflächendesinfektion– privater Eigenbedarf: Hausmüll (in haushaltsüblichen Mengen)
– gewerblicher Bedarf: Wertstoffhof o. Entsorgungsfachbetrieb
1 Woche bis 3 Monate (sehr gering, wg. Austrocknungsrisiko)EU Nr. 528/2012

Welche Alternativen zu Desinfektionsmitteln gibt es?

Sobald Handdesinfektionsmittel häufig angewendet werden, können Hautirritationen entstehen und schadhafte Mikroorganismen resistent werden. Ebenso sind Desinfektionslösungen mitunter nicht für alle Oberflächen geeignet.

Als Alternative werden daher Seifen, Cremes und Desinfektionsmittel auf Tensid- oder Salzbasis verwendet:

Bei den alternativen Desinfektionsmitteln sind mechanische Bewegungen unerlässlich, um die Lipid- oder Proteinhülle der Mikroorganismen nachhaltig zu zerstören – wie etwa beim Händewaschen. Oberflächen müssen zudem mehrfach gründlich abgewischt werden, da diese Reinigungsmittel nicht wie ein Sterillium einwirken.

Salze und Tenside sind in diesen auf Wasserbasis hergestellten Desinfektionsmittel nur in sehr geringen Konzentrationen vorhanden. Aufgrund der daher geringen potenziellen Schadwirkung für Mensch und Natur können die alternativen Mittel in einem vereinfachten Verfahren von der Europäischen Chemikalien Agentur (ECHA) zugelassen werden.

Wo gibt es Desinfektionsmittel zu kaufen?

Verkäufer müssen vor der Markteinführung Desinfektionsmittel als kennzeichnungspflichtige Produkt klar abgrenzen und registrieren. Hierbei ist zu unterscheiden, ob es um ein kosmetisches, medizinisches oder biozides Produkt handelt. Generell werden Desinfektionsmittel in Apotheken, Drogerien oder Supermärkten veräussert und sollten folgende Informationen enthalten:

  • die Bezeichnung des bioziden Wirkstoffs
  • die Konzentration
  • die Anwendungsgebiete
  • die Gebrauchsanweisung
  • die Zulassungsnummer sowie Zulassungsinhaber
  • das Haltbarkeitsdatum
  • Entsorgungshinweise

Wie lange sind Desinfektionsmittel haltbar?

Desinfektionsmittel müssen aufgrund ihrer Zusammensetzung und ihres rechtlichen Status als Biozid mit einem Verfallsdatum gekennzeichnet sein. Die flüchtigen Inhaltsstoffe, wie Alkohole, reagieren u. a. auf Temperaturschwankungen oder Lichteinfall. Dadurch reduziert sich die desinfizierende Wirkung des Mittels nach einer gewissen Zeit. Aus diesem Grund empfiehlt das RKI alle Hand- und Oberflächen-Desinfektionsmittel mit dem Datum des Anbruchs des Mittels zu kennzeichnen, um die Haltbarkeit nachverfolgen zu können.

Je nach Art des Desinfektionsmittels ist dieses nach Anbruch sechs bis zwölf Monate haltbar. Im Gegensatz dazu sind Desinfektionstücher nur für einen sehr begrenzten Zeitraum sicher anwendbar: Selbst sorgsam wiederverschlossene Behältnisse garantieren nur eine Haltbarkeit von wenigen Tagen bis Wochen.

Generell gilt jedoch: Abgelaufene Desinfektionsmittel dürfen nicht weiterverwendet werden. Es kann keine hygienische Wirkung mehr garantiert werden und ein Gesundheitsrisiko ist nicht auszuschliessen.

Wie sind Desinfektionsmittel richtig zu transportieren und zu lagern?

Beim Transport oder der Lagerung von Desinfektionsmittel ist die jeweilige Menge für die zutreffenden Regelungen entscheidend. Generell gelten für haushaltsübliche Mengen vereinfachte Hinweise:

  1. Desinfektionsmittel sollten in intakten, verschlossenen Behältern oder Verpackungen transportiert werden.
  2. Die Lösungen müssen beim Transport gesichert sein, um Beschädigungen zu vermeiden.
  3. Desinfektionsmittel lassen sich optimal in dunklen, kühlen, aber frostfreien Räumen in der Originalverpackung lagern.
  4. Alle chemischen Lösungen sollten ausserhalb der Reichweite von Kindern lagern.

Gewerblicher Transport von Desinfektionsmitteln

Handelt es sich jedoch um den gewerblichen Transport vonDesinfektionsmitteln, wird dieser in Abhängigkeit von der Transportmenge als Gefahrgut betrachtet. Hier regelt das Europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Strasse (ADR) die Bestimmungen.  Versandstücke müssen demzufolge teils mit entsprechenden Warnkennzeichen versehen sein. Zudem benötigen die Gefahrguttransporte gültige Beförderungspapiere und das Transport-Fahrzeug muss über eine korrekte Sicherheitsausrüstung sowie Sicherheits-Kennzeichnung verfügen.

Es existieren jedoch verschiedene Freistellungen für gewerbliche Anwender:

  • für Handwerksbetriebe nach 1.1.3.1 c ADR
  • für begrenzte Mengen nach 3.4 ADR
  • die 1000-Punkte Regelung nach 1.1.3.6 ADR.

Wie werden Desinfektionsmittel ordnungsgemäss entsorgt?

Aufgrund ihrer Fähigkeit, Mikroorganismen zu eliminieren, können Desinfektionsmittel ab einer bestimmten Konzentration schwerwiegende Umweltschäden verursachen. Daher ist es von grosser Bedeutung, abgelaufene Desinfektionsmittel nicht über das Abwassersystem zu entsorgen. Lokale Wertstoffhöfe oder Entsorgungsfachbetriebe nehmen zum Beispiel die abgelaufenen chemischen Substanzen entgegen und beseitigen diese fachmännisch. Darüber hinaus erhalten Sie in den Herstellerangaben oder auf den Herstellerseiten weiterführende Informationen zur Entsorgung der Desinfektionsmittel.

FAQ zu Desinfektionsmitteln

Wie lange sind Desinfektionsmittel haltbar?

Je nach Art des Mittels unterscheidet sich die Haltbarkeit bei Desinfektionsmitteln stark. Daher müssen immer die einzelnen Herstellerangaben beachtet werden. So sind beispielsweise Desinfektionsmittel für Flächen oder Hände in flüssiger Form meist bis zu 12 Monate anwendbar. Die Haltbarkeit von Desinfektionstüchern hingegen kann zwischen wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen variieren.

Kann man abgelaufenes Desinfektionsmittel noch benutzen?

Die vom Hersteller garantierte Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln ist nach dem Ablaufdatum nicht mehr gegeben. Flüchtige Inhaltsstoffe wie Alkohol sind nach einer gewissen Lagerungszeit und den damit verbundenen Einflüssen, nur noch in herabgesetzten Konzentrationen vorhanden. Da sie keinen ausreichenden Schutz mehr bieten, dürfen abgelaufene Desinfektionsmittel nicht mehr benutzt werden.

Wie werden Desinfektionsmittel gelagert?

Desinfektionsmitteln unterliegen verschiedene gesetzlichen Regelungen bei der gewerblichen Lagerung.

Allgemein und auch für private Haushalte gilt für die Lagerung von Desinfektionsmitteln:
– nicht in der Nähe von Wärmequellen, wie Heizkörpern- oder -Strahlern aufbewahren
– an einem kühlen, frostfreien und dunklen Ort lagern
– vor direkter Sonneneinstrahlung schützen
– ausschliesslich im verschlossenen Originalbehältnis aufbewahren
– nicht in der Nähe von Arzneien oder Lebensmitteln lagern
– kinder- und haustiersicher verstauen

Wie werden Desinfektionsmittel entsorgt?

Unter Beachtung der Herstellerangaben müssen abgelaufene Desinfektionsmittel oder in den Behältern verbliebene Unter Beachtung der Herstellerangaben müssen abgelaufene Desinfektionsmittel oder in den Behältern verbliebene Reste über einen Wertstoffhof oder den lokalen Entsorgungsfachbetrieb beseitigt werden. Die Gefahrstoffe dürfen in keinem Fall in das Abwassersystem oder Gewässer gelangen.

Wie werden Desinfektionsmittel transportiert?

Grundlegend ist ein gesicherter, beschädigungsfreier Transport von Desinfektionsmittel zu gewährleisten. In Abhängigkeit von der transportierten Menge bei gewerblichen Transporten müssen die gesetzlichen Regelungen des ADR zum Umgang mit Gefahrstoffen beachtet werden.

Bitte beachten Sie: Die hier erwähnten Vorschriften sind nur eine Auswahl der wichtigsten gesetzlichen Vorgaben. Detaillierte Informationen lesen Sie dazu in den aufgeführten und ggf. weiteren Vorschriftensammlungen und Gesetzestexten nach. Bei der konkreten Umsetzung im Betrieb können und sollten im Zweifel ausserdem Sachverständige hinzugezogen werden.

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Koonsiri Boonnak