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Wenn im Sommer die Temperaturen steigen, wird das Arbeiten in Werkstätten und auf Baustellen oftmals besonders belastend. Damit Mitarbeiter nicht nur arbeitsfähig, sondern auch gesund bleiben, muss der Arbeitgeber im Rahmen seiner besonderen Fürsorgepflicht den Arbeitsplatz entsprechend einrichten: Er muss sicherstellen, dass für Mitarbeiter keine Gefährdung durch Hitze am Arbeitsplatz ausgeht. Welche Verordnungen es gibt und mit welchen Massnahmen es gelingt, auch bei hohen Temperaturen einen kühlen Kopf zu bewahren, lesen Sie in diesem Artikel.

Welche maximale Temperatur am Arbeitsplatz ist zulässig?

Der Arbeitgeber hat eine besondere Fürsorgepflicht gegenüber dem Arbeitnehmer: Er muss dafür Sorge tragen, dass am Arbeitsplatz keine gesundheitliche Beeinträchtigung für den Arbeitnehmer entsteht. Das ist im Arbeitsgesetz (ArGV) und dessen Verordnungen verankert. In der Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz ist für Hitze am Arbeitsplatz keine maximal zulässige Temperatur festgelegt. Es wird jedoch vorgeschrieben, Arbeitnehmer vor übermässiger Sonnen- und Wärmestrahlung zu schützen.

Detaillierte, arbeitswissenschaftlich belegte Empfehlungen für das Betreiben und Einrichten von Arbeitsplätzen besagen, dass der Arbeitgeber eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur gewährleisten soll. Diese liegt vor, wenn die Wärmebilanz des menschlichen Körpers ausgeglichen ist, das heisst, wenn Wärmezufuhr, Wärmeerzeugung und Wärmeabgabe miteinander im Einklang stehen. Die angewandten Arbeitsverfahren und die körperliche Belastung der Mitarbeiter müssen dabei mit einkalkuliert werden.

Es existieren Richtwerte, bei deren Erreichen der Arbeitgeber angehalten ist, die Hitze am Arbeitsplatz zu reduzieren, um seine Angestellten bestmöglich zu schützen. Für eine Tätigkeit in geschlossenen Räumen, z. B. in Werkstätten, gelten dabei folgende Empfehlungen zur Umsetzung:

BedingungMassnahme
• Die Raumtemperatur beträgt über 26 Grad Celsius• Anbringen von geeigneten Sonnenschutzsystemen an Fenstern, Oberlichtern oder Türen
• Vermeiden von direkter, störender Sonneneinstrahlung auf den Arbeitsplatz
• Die Raumtemperatur beträgt über 26 Grad Celsius
• Sonnenschutzsysteme wurden bereits angebracht
• Jalousien auch ausserhalb der Arbeitszeit geschlossen halten
• Abschalten von nicht verwendeten elektronischen Geräten – diese heizen den Raum zusätzlich auf
• Lüftung in den frühen Morgenstunden
• Lockerung der Bekleidungsvorschriften
• Anpassung der Arbeitszeiten (Gleitzeit)

Beträgt die Temperatur über 26 Grad Celsius und die Innenräume heizen sich trotz erfolgter Gegenmassnamen wie dem Anbringen von Sonnenschutzblenden stark auf, ist unter folgenden Umständen die Gesundheit von Mitarbeitern gefährdet:

  • wenn schwere körperliche Arbeit zu verrichten ist
  • wenn gesundheitlich vorbelastete und schutzbedürftige Beschäftigte (z. B. Jugendliche, Ältere, Schwangere, stillende Mütter) an dem Arbeitsplatz tätig sind
  • wenn Mitarbeiter besondere Arbeits- oder Schutzkleidung tragen müssen, die die Wärmeabgabe erschwert

Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung sollte der Arbeitgeber in diesen Fällen über weitere Massnahmen entscheiden.

Die arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen sind in der Schweiz nicht verpflichtend. Es gibt also kein Gesetz, das vorschreibt, dass der Arbeitgeber ab einer bestimmten Raumtemperatur Massnahmen ergreifen muss. Erst wenn Mitarbeiter konkret von einer Gesundheitsbeeinträchtigung durch Hitze am Arbeitsplatz bedroht sind, ist der Arbeitgeber verpflichtet zu handeln.

Hitzefrei auf dem Bau – gibt es das?

Das Arbeiten auf einer Baustelle ist selbst bei moderaten Temperaturen körperlich anstrengend: Schweres Heben und Tragen sowie lange Arbeitseinsätze gehören zum Berufsalltag. Doch wenn das Thermometer im Sommer in die Höhe klettert, wird das Arbeiten auf Baustellen besonders belastend: direkte Sonneneinstrahlung, hohe Ozonwerte und Feinstaubbelastung durch Materialien und Arbeitsvorgänge stellen eine besondere Herausforderung für den menschlichen Organismus dar. Um verträgliche Arbeitsbedingungen zu schaffen und die Gesundheit von Mitarbeitern zu schonen, sollte der Arbeitgeber folgende Massnahmen ergreifen:

  • Arbeitszeiten anpassen und das Arbeiten in den frühen Morgen- und Abendstunden ermöglichen – für die besonders heissen Mittagsstunden längere Erholungsphasen einplanen
  • für ausreichend Schatten sorgen: Sonnensegel über der Baustelle spannen
  • genügend Pausen einplanen
  • Kopfbedeckungen, Sonnenbrillen mit UV-Schutz und Sonnencreme zur Verfügung stellen
  • kostenfreie Getränke bereitstellen
  • wenn möglich: körperlich schwere Arbeiten eingrenzen
  • keine Überstunden fordern, eher Arbeitszeiten reduzieren
  • die Beschäftigten über die Gefahren durch Hitze am Arbeitsplatz informieren
  • sorgen Sie dafür, dass stets ein zum Ersthelfer ausgebildeter Mitarbeiter vor Ort ist

Sind die Temperaturen extrem und stellen eine Gesundheitsgefährdung dar, kann der Arbeitgeber arbeitsfrei geben. Es besteht jedoch kein Rechtsanspruch für hitzefrei am Bau. Da die Arbeit im Freien bei Hitze eine besonders hohe Belastung darstellt, ist in jedem Fall eine Gefährdungsbeurteilung sinnvoll. Hier wird die Situation von einer betriebsinternen Fachkraft oder von einem externen Berater individuell beurteilt und entsprechende Schutzmassnahmen festgelegt.

Für Arbeitnehmer: Fühlen Sie sich durch Hitze am Arbeitsplatz beeinträchtigt, sprechen Sie Ihren Arbeitgeber an und bitten ihn um entsprechende Massnahmen. Stösst Ihr Anliegen auf taube Ohren, können Sie sich an Ihre Arbeitnehmervertretung wenden. Die Arbeitnehmervertretung kann mit dem Arbeitgeber verbindliche Vereinbarungen treffen und konkrete Temperaturgrenzen und Gegenmassnahmen festlegen.

Wie kann sich Hitze am Arbeitsplatz auswirken?

Hohe Temperaturen in Verbindung mit körperlicher Belastung sind nicht nur anstrengend, sondern können mitunter Gesundheitsbeeinträchtigungen hervorrufen. Seien Sie besonders achtsam, wenn Sie bei sich selbst, Mitarbeitern oder Kollegen folgende Symptome bemerken:

  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Verwirrtheit
  • Krämpfe
  • Kreislaufbeschwerden
  • Hitzschlag

Bei ausgeprägten Beschwerden wie Krämpfen, Kreislaufproblemen oder einem Hitzschlag müssen Sie Erste Hilfe Massnahmen anwenden: lagern Sie die Beine hoch, kühlen Sie insbesondere den Kopf und informieren Sie den Rettungsdienst.

Für Arbeitnehmer: Fühlen Sie sich durch Hitze am Arbeitsplatz beeinträchtigt, sprechen Sie Ihren Arbeitgeber an und bitten ihn um entsprechende Massnahmen. Stösst Ihr Anliegen auf taube Ohren, können Sie sich an Ihre Arbeitnehmervertretung wenden. Die Arbeitnehmervertretung kann mit dem Arbeitgeber verbindliche Vereinbarungen treffen und konkrete Temperaturgrenzen und Gegenmassnahmen festlegen.

Praktische Tipps für den Umgang mit Hitze am Arbeitsplatz

Um die hohen Temperaturen möglichst unbeschadet zu überstehen, achten Sie darauf, sich nicht zu überanstrengen. Kühlen Sie sich zwischendurch öfter ab: Halten Sie die Handgelenke unter kaltes Wasser oder legen Sie ein nasses Handtuch in den Nacken. Sorgen Sie für ausreichend Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie mehr als sonst, am besten Wasser. Machen Sie genügend Pausen. Vermeiden Sie direkte Sonneneinstrahlung, wenn möglich, halten Sie sich im Schatten auf. Bei starken körperlichen Beeinträchtigungen informieren Sie den Rettungsdienst.

Mit folgenden Massnahmen können Sie Ihre Mitarbeiter vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch sommerliche Hitze schützen:

  • bieten Sie kostenfreie Getränke an
  • stellen Sie genügend leistungsfähige Ventilatoren auf
  • halten Sie Jalousien auch nach der Arbeitszeit geschlossen
  • schalten Sie elektrische Geräte ab, die gerade nicht eingesetzt werden
  • wenn möglich, öffnen Sie nachts die Fenster, damit die Räume auskühlen können
  • stellen Sie Ihren Mitarbeitern kostenfreie Getränke zur Verfügung
  • lockern Sie die Bekleidungsregeln
  • bieten Sie Gleitzeitregelungen an, damit Ihre Mitarbeiter in den kühleren Morgen- und Abendstunden arbeiten können
  • verkürzen Sie ggf. die Arbeitszeiten
  • reduzieren Sie das Arbeitstempo
  • für die Arbeit draussen: stellen Sie Sonnenschutzcreme, Sonnenbrillen und Kopfbedeckungen zur Verfügung
  • falls möglich, spannen Sie Sonnensegel

So können Sie körperliche Beschwerden durch Hitze am Arbeitsplatz reduzieren

Sollte es trotz präventiver Massnahmen wie ausreichender Flüssigkeitszufuhr zu körperlichen Beschwerden wie Schwindel oder Kopfschmerzen kommen, nehmen Sie Symptome auf jeden Fall ernst und reagieren sie darauf. Folgendes können Sie tun, um Symptome zu lindern:

  1. Bei leichteren Beschwerden:

    Reduzieren Sie das Arbeitstempo.  Sorgen Sie für ausreichend Flüssigkeitszufuhr. Falls möglich, halten Sie sich im Schatten auf, trinken Sie Wasser und legen sich ggf. ein nasses Handtuch auf die Stirn.

  2. Dauern die Beschwerden an

    Legen Sie eine Pause ein, bis es Ihnen deutlich besser geht. Sorgen Sie für ausreichend Kühlung und Flüssigkeitszufuhr. Halten Sie sich im Schatten auf, trinken Sie Wasser und legen sich ggf. ein nasses Handtuch auf die Stirn.

  3. Verschlimmern sich die Symptome

    Geht es Ihnen trotz der bisher ergriffenen Massnahmen nicht besser oder verschlimmern sich die Beschwerden, informieren Sie einen Ersthelfer im Betrieb oder den Rettungsdienst.

  4. Bei Bewusstlosigkeit

    Ist die betroffene Person bewusstlos, rufen Sie den Rettungsdienst und wenden Sie die stabile Seitenlage an. Bestenfalls gibt es einen betriebsinternen Ersthelfer, der bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes Erste Hilfe leisten kann. Bei einem Atemstillstand müssen Wiederbelebungsmassnahmen durchgeführt werden.

FAQ über Hitze am Arbeitsplatz

Was können Arbeitnehmer tun, wenn sie durch hohe Temperaturen am Arbeitsplatz beeinträchtigt werden?

Als Arbeitnehmer sollten Sie zunächst das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten suchen, wenn Sie durch starke Hitze in Ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt werden. Machen Sie ihn auf das Problem aufmerksam. Es gibt kein Gesetz, auf das Sie sich berufen können, aber arbeitswissenschaftliche Empfehlungen. Wird Ihr Anliegen ignoriert, können Sie sich an die Arbeitnehmervertretung wenden. Diese kann mit dem Unternehmen konkrete und verbindliche Vereinbarungen über den Umgang mit Hitze am Arbeitsplatz treffen, z. B ab welcher Temperatur welche Gegenmassnahme durch den Arbeitgeber erfolgt.

Muss eine Gefährdungsbeurteilung erfolgen, bevor Massnahmen zur Reduzierung von Hitze am Arbeitsplatz durchgeführt werden?

Eine Gefährdungsbeurteilung ist nicht zwingend erforderlich, um Massnahmen zur Wärmeentlastung durchzuführen. Der Arbeitgeber hat einen Handlungsspielraum, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Welche Gesundheitsbeeinträchtigungen können durch Hitze am Arbeitsplatz entstehen?

Hohe Temperaturen können Gesundheitsbeeinträchtigungen hervorrufen und sich beispielsweise folgendermassen äussern:
• verminderte Leistungsfähigkeit
• Schwindel
• Kopfschmerzen
• Übelkeit
• Kreislaufbeschwerden

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