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Unabhängig davon, ob sie Sprossen-Anlegeleitern, -Vielzweckleitern, – Mehrzweckleitern, Stufen-Steh-, Sprossen-Doppelleitern oder Tritte in Ihrem Betrieb verwenden: Der Umgang mit Leitern und Tritten im Arbeitsumfeld ist präzise geregelt, denn bei unvorsichtiger oder unsachgemässer Benutzung besteht ein hohes Verletzungsrisiko. Mit zunehmender Höhe steigt die Gefahr von Arbeitsunfällen – mit schwerwiegenden Folgen. Deshalb spielt der Arbeitsschutz beim Umgang mit Leitern eine äusserst wichtige Rolle. Darüber hinaus sind nicht alle Leitern aus Sicht der Betriebssicherheit und des Arbeitsschutzes für den Einsatz als Arbeitsplatz geeignet.

Den rechtlichen Rahmen dafür bilden die Verordnung über die Unfallverhütung (VUV) und die Bauarbeitenverordnung (BauAV). Zusätzlich gibt es von der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (EKAS) eine Richtlinie zum Einsatz, der Verwendung und Instandhaltung von Arbeitsmitteln. Diese Richtlinie bildet die Grundlage für den sicheren Umgang mit Leitern und Tritten unter den spezifischen Gegebenheiten Ihres Unternehmens.
Die Norm SN EN 131 (Teil 1 bis 7) enthält zudem alle Anforderungen, die Leitern nach dem neuesten Stand der Technik erfüllen müssen.

Leitern – die wichtigsten Regeln im Überblick

Verwendung von Arbeitsmitteln (Art. 32 a der VUV):

  • Arbeitsmittel müssen bestimmungsgemäss unter Einhaltung der Vorgaben des Herstellers verwendet werden. Dies gilt also auch für jeglicher Art von Leitern wie beispielsweise Sprossenleitern, Stufenleitern und Anlegeleitern oder Arbeitsbühnen.
  • Die Leitern müssen so aufgestellt werden, dass die Sicherheit der Arbeitnehmer gewährleistet ist.
  • Kommen die Leitern an verschiedenen Orten zum Einsatz, muss nach jeder Neunmontage eine Überprüfung der Funktionalität und Möglichkeit der bestimmungsgemässen Verwendung erfolgen sowie dokumentiert werden.

Verwendung von Leitern (Artikel 3, Abschnitt 14 der BauAV):

  • Es ist nur die Verwendung von Leitern gestattet, die sich in Bezug auf die Belastbarkeit und Standfestigkeit für die vorgesehenen Arbeiten eignen.
  • Es dürfen keine beschädigten Leitern benutzt werden. Entweder sie müssen durch einen Fachmann in Stand gestellt oder entsprechend entsorgt werden.
  • Die Leitern müssen auf einer tragfähigen Unterlage stehen.
  • Die Leitern müssen gegen Drehen, Wegrutschen und Kippen gesichert werden.
  • Am Standort der Leiter dürfen keine Gefahren, beispielsweise durch herabfallende Gegenstände oder andere Materialien, bestehen.
  • Die obersten drei Leitersprossen dürfen nur unter folgenden Voraussetzungen bestiegen werden: Es ist eine Plattform beim Austritt vorhanden oder die Leiter verfügt über eine Haltevorrichtung.

EKAS-Richtlinien über den Umgang mit Leitern und Tritten


Die Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (EKAS) bietet Unternehmen mit ihrer Richtlinie Nr. 6512 Hinweise, wie sie Arbeitsmittel nach den gesetzlichen Vorgaben richtig einsetzen, verwenden und instandhalten. Dieser Leitfaden bildet ebenfalls die Basis zum Umgang mit Leitern und Tritten und gewährleistet einen sicheren Gebrauch nach den aktuellen Vorgaben.

Die EKAS-Richtlinie orientiert sich dabei an der oben aufgeführten VUV und zeigt auf, wie sich die Schutzziele aus der Verordnung effizient im Betrieb umsetzen lassen.

Die wichtigsten Punkte, spezifisch in Bezug auf Leitern, auf einen Blick:

Einsatz von Arbeitsmitteln

  • Der Arbeitgeber sollte vor jedem Einsatz von Leitern sicherstellen, dass folgende Anleitungen und Erklärungen verfügbar sind: Betriebs-, Bedienungs- und Instandhaltungsanleitungen (gegebenenfalls in allen vier Landessprachen), Montage- und Einbauanleitung für unvollständige Arbeitsgeräte.

Verwendung von Arbeitsmitteln

  • Bezüglich Verwendungsmöglichkeiten, Belastbarkeit, etc. sollte immer die Anleitung des Herstellers beachtet werden.
  • Bei Aufstellen der Leitern müssen alle vom Hersteller empfohlenen Maßnahmen beachtet werden, so zum Beispiel Anforderungen an den Untergrund, persönliche Schutzausrüstung oder Schutzeinrichtungen an der Leiter.
  • Bei der Integration der Leiter sollten Punkte wie Zugänge, Fluchtwege oder Zu- und Wegführen von Material beachtet werden.
  • Bei einem Einsatzortswechsel sollte eine Überprüfung der Leiter laut Angaben des Herstellers erfolgen und zum Beispiel durch einen Betriebsjournal-Eintrag dokumentiert werden.
  • Arbeitnehmer, die die Leitern das erste Mal verwenden, sollten eine gründliche Instruktion erhalten.

Instandhaltung von Arbeitsmitteln

  • Die Instandhaltung von Arbeitsmitteln wie Leitern beinhaltet folgende wichtige Punkte: Inspektion, Wartung (Reinigung, Pflege, Lagerung) sowie Instandsetzung bei Defekten.

Zugänglichkeit und Arbeitsplätze

  • Arbeitsmittel wie Leitern müssen für den Einsatz im Normal- und Sonderbetrieb sowie für die Instandhaltung gefahrlos zugänglich sein (freier Raum, zwanglose Körperhaltung, etc.).

Schutzeinrichtungen und Schutzmassnahmen

  • Es sollte ein Schutz vor bewegten Teilen gegeben sein, zum Beispiel durch trennende und nicht trennende Schutzeinrichtungen.
  • Es sollte eine ausreichende Beleuchtung am jeweiligen Arbeitsplatz gewährleistet sein.

FAQ zum Umgang mit Leitern und Tritten

Welche Vorschriften gelten für den Umgang mit Leitern und Tritten?

Den rechtlichen Rahmen dafür bilden die Verordnung über die Unfallverhütung (VUV) und die Bauarbeitenverordnung (BauAV). Zusätzlich gibt es vom EKAS eine Richtlinie für die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben im Zusammenhang mit dem Umgang mit Leitern und Tritten. Die SUVA stellt zudem ebenfalls Zahlen, Fakten und Empfehlungen rund um das Thema Absturzunfälle und dem richtigen Einsatz von Arbeitsmitteln zur Verfügung.

Was ist bei der Nutzung von Leitern als Arbeitsplatz zu beachten?

Laut VUV und BauAV sind unter anderem folgende Punkte beim Einsatz von Leitern als Arbeitsmittel zu beachten:

– Herstellervorgaben müssen eingehalten werden.
– Montage sollte so erfolgen, dass die Sicherheit der Arbeitnehmer gewährleistet ist.
– Nach jeder Neubenutzung muss eine Überprüfung auf Funktionalität und Verwendungsmöglichkeiten erfolgen und dokumentiert werden.
– Die Belastbarkeit und Standfestigkeit der Leitern müssen sich für die vorgesehenen Arbeiten eignen.
– Die Leitern dürfen keine Beschädigungen aufweisen.
– Die Unterlage, auf der die Leitern aufgestellt werden, muss tragfähig und geeignet sein.
– Die Leitern müssen gegen Drehen, Wegrutschen und Kippen gesichert werden.
– Es dürfen am Leiternstandort keine Gefahren, beispielsweise durch herabfallende Güter, entstehen.
– Die obersten drei Leitsprossen dürfen nur mit einer Austrittsplattform oder einer Haltevorrichtung betreten werden.

Welche Abschnitte der EKAS-Richtlinien sind für den Einsatz von Leitern am Arbeitsplatz massgeblich?

Die EKAS-Richtlinien geben Tipps zum gesetzeskonformen Einsatz sämtlicher Arbeitsmittel und sollten deshalb in ihrer Gesamtheit sorgfältig gelesen werden. Für Leitern sind jedoch folgende Abschnitte besonders wichtig:

4 – Arbeitsmittel einsetzen
5 – Arbeitsmittel verwenden
6 – Arbeitsmittel instandhalten (insbesondere Punkt 6.1. Instandhalten gemäss Herstellerangaben)
7 – Zugänglichkeit und Arbeitsplätze
8 – Schutzeinrichtungen und Schutzmassnahmen (insbesondere 8.1. und 8.5.)

Bitte beachten Sie: Die hier erwähnten Vorschriften sind nur eine Auswahl der wichtigsten gesetzlichen Vorgaben. Detaillierte Informationen lesen Sie dazu in den aufgeführten und ggf. weiteren Vorschriftensammlungen und Gesetzestexten nach. Bei der konkreten Umsetzung im Betrieb können und sollten im Zweifel ausserdem Sachverständige hinzugezogen werden.

Bildquellen:
© gettyimages.de – sturti