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Nachwuchsförderung ist ein zentrales Thema in Industrie- und Handwerksbetrieben. Mit jungen, motivierten Mitarbeitern ist die Zukunft eines Unternehmens gesichert. Altbewährte Prozesse werden hinterfragt und wenn nötig mit neuen Ideen und einer frischen Herangehensweise verbessert. Das alles trägt dazu bei, dass Ihr Betrieb erfolgreich und konkurrenzfähig bleibt. Doch dazu brauchen Sie natürlich Nachwuchskräfte, die mit Elan und Sachverständnis an die Arbeit gehen. Diese zukünftigen Fachkräfte selbst im Betrieb auszubilden ist einer der besten Wege, um sicherzustellen, dass Mitarbeiter mit Ihren Anforderungen vertraut sind und sich nötiges Fachwissen von Grund auf aneignen. Dieser Ratgeber soll Ihnen dabei helfen, für Ihren Betrieb erfolgreich Lehrlinge anzuwerben.

Diese Kriterien machen Sie zu einem attraktiven Arbeitgeber

Wenn Sie gute und engagierte Lehrlinge finden möchten, sollten Sie die Bedürfnisse der jüngeren Generationen kennen und verstehen. Dann können Sie die Vorteile, die eine Ausbildung in Ihrem Betrieb mit sich bringt, entsprechend darstellen. Was erwarten die Heranwachsenden vom Arbeitsleben?

Die Generation Z – also alle, die nach dem Jahr 2000 geboren sind – ist weniger karriereorientiert als ihre Vorgänger. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie es mit desinteressierten jungen Menschen zu tun haben. Vielmehr nehmen die Selbstverwirklichung im Beruf und eine sinnvolle Regeneration in der Freizeit einen deutlich höheren Stellenwert ein als Karriere und Bezahlung. Junge Menschen wollen mit ihrer Meinung und Erfahrung ernst genommen werden, ihr volles Potenzial entfalten und ihren Beitrag zu einer gerechten und offenen Gesellschaft leisten. Nach welchen Kriterien wählen Schüler und Schülerinnen heute ihren zukünftigen Ausbildungsbetrieb aus?

  • Entlohnung: Die Bezahlung in der Ausbildung ist üblicherweise nicht besonders hoch und das erwartet auch keiner. Ohnehin zeigen Studien, dass der Generation Z eine sinnstiftende Tätigkeit und ein erfülltes Privatleben deutlich wichtiger sind als eine Top-Bezahlung. Dennoch können Sie Pluspunkte sammeln, wenn Sie zusätzlich zum Tariflohn Vergünstigungen wie ein Job-Ticket, Verpflegungsgutscheine oder Weihnachts- und Urlaubsgeld anbieten. Auch Prämien für besonders gute Schulnoten und Arbeitsleistungen sind denkbar. Stellen Sie diese Vorteile klar heraus.
  • Betreuung: Als Ausbildungsbetrieb sollten Sie voraussetzen, dass Ihre Lehrlinge lernen und mit ihren Aufgaben wachsen wollen. Planen Sie eine gründliche Einarbeitungsphase und stellen Sie Ihren Lehrlingen danach jeweils eine Ansprechperson an die Seite. Die Jugendlichen sollten sich jederzeit mit Fragen und Problemen an diese Person wenden können. Auf diese Weise stellen Sie nicht nur sicher, dass sich Ihre Lehrlinge im Unternehmen wohlfühlen, sondern können auch gemeinsam mit den Betreuern besprechen, wie Sie sie am besten fördern und in tägliche Prozesse einbinden können – ein Punkt, der vielen Auszubildenden ausserordentlich wichtig ist.
  • Flexibilität: Wenn es in Ihrem Unternehmen möglich ist, zeigen Sie Ihren Lehrlingen mit flexiblen Arbeitszeiten, gelegentlichen Homeoffice-Tagen oder verkürzten Arbeitszeiten in Prüfungsphasen, dass Sie Verständnis für andere Verpflichtungen haben.
  • Raum für Innovationen: Schaffen Sie Raum für Ideen und Verbesserungsvorschläge. So fühlen sich Ihre Lehrlinge ernst genommen und Ihrem Betrieb können dadurch sogar Wettbewerbsvorteile entstehen. Denn junge Menschen sehen die Arbeit mit einem völlig anderen Blick als ein hochqualifizierter Angestellter, der bereits seit Jahrzehnten für Sie arbeitet. Zum Beispiel sind die neuen Ausbildungsgenerationen vollständig im digitalen Zeitalter aufgewachsen. Diesen Vorteil können Sie für Ihren Betrieb nutzen, indem Sie das Wissen und den natürlichen Umgang mit digitaler Technik und Medien einsetzen, um sich von der Konkurrenz abzuheben.
  • Umwelt und Soziales: Vielen Jugendlichen ist wichtig, dass sie in ihrem täglichen Leben dazu beitragen, die Welt zum Besseren zu verändern. Heben Sie hervor, wenn sich Ihr Betrieb für soziale Projekte engagiert oder umweltfreundliche Alternativen für bestimmte Arbeitsprozesse oder Rohstoffe eingeführt hat.

Signalisieren Sie der Generation Z, dass sie in der Ausbildung nicht allein gelassen wird, sondern als vollwertiges Teammitglied akzeptiert ist, dass Talent und Potenzial gefördert werden, Ideen und Meinungen Gehör finden und das Privatleben respektiert wird. Diese Wertschätzung sowie eine transparente Kommunikation auf Augenhöhe werden Sie zu einem beliebten Ausbildungsbetrieb machen.

Warum ist es so schwierig, passende Lehrlinge zu finden?

Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen berichten, dass es seit Jahren immer schwerer wird, Auszubildende zu finden. Der beständige Rückgang der Geburtenzahlen macht sich inzwischen auch bei der Anzahl der Absolventen bemerkbar. Immer weniger Absolventen interessieren sich für eine handwerkliche Ausbildung. Das ist einerseits darauf zurückzuführen, dass der Ruf der Ausbildung ganz allgemein gelitten hat. Geringe Bezahlung, kaum Mitspracherecht, schlechte Aufstiegschancen und ungenügende Förderung: Das sind Vorurteile, die mit einer Ausbildung im Handwerk verbunden werden und die früher mit Sicherheit eine Berechtigung hatten.

Inzwischen hat sich viel geändert: Der Anteil an Frauen in Handwerksberufen steigt und auch der digitale Fortschritt macht sich in Arbeitsprozessen bemerkbar. Doch vor allem kleinere Betriebe sind nicht immer gut darin, diese Veränderungen zu kommunizieren und sich für Auszubildende attraktiv darzustellen. Der Handwerksbeschäftigungsindex zeigt, dass die Gehaltsentwicklung bei Handwerksberufen noch immer nicht mit der in IT-Berufen mithalten kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass Lehrlinge das Handwerk grundsätzlich ablehnen. Im Gegenteil. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen über wenig sinnvolle Bürojobs und endlose Meeting-Marathons klagen, gewinnt das Handwerk wieder an Ansehen. Dennoch müssen Sie den richtigen Weg wählen, um die besten Lehrlinge für Ihren Betrieb zu finden.

How to: Tipps, um erfolgreich Lehrlinge zu suchen


Um die Generation Z zu erreichen, ist ein gutes Ausbildungsmarketing unverzichtbar. Das bedeutet: Sie müssen verschiedene Wege finden, um potenzielle Lehrlinge für eine Lehre in Ihrem Betrieb zu begeistern.

  1. Website

    Richten Sie auf Ihrer Website einen Bereich für die Berufsausbildung ein. Dort können Sie Informationen zu Ausbildungsinhalten, aber auch Entwicklungsmöglichkeiten hinterlegen. Wichtig ist, dass Sie die Vorteile einer Ausbildung in Ihrem Betrieb klar kommunizieren. Achten Sie dabei auf kurze, aussagekräftige Texte, Bilder und eine unkomplizierte Sprache.

    Ergänzen Sie die Informationen mit kurzen Videosequenzen, in denen Sie einen Einblick in den Arbeitsalltag geben. Diese können locker und unterhaltsam sein, sollten jedoch immer die Realität abbilden. Lassen Sie die Videos am besten von den aktuellen Lehrlingen erstellen. Sie können sehr gut einschätzen, was online funktioniert und wirken vertrauenswürdig auf die Gleichaltrigen.

  2. Berufsportale

    Die Kantone veröffentlichen offene Lehrstellen jedes Jahr über verschiedene Kommunikationsmedien. Wenn Sie eine Lehrstelle zu besetzen haben, können Sie diese über das Formular auf der jeweiligen Website Ihres Kantons melden. Präsentieren Sie Ihr Unternehmen zudem auf bekannten Berufsportalen. Die führende Jobbörse der Schweiz, jobs.ch, bietet die Möglichkeit, freie Ausbildungsplätze zu inserieren. Bei der Plattform lehrstellenboerse.ch ist dies sogar kostenlos möglich. Hier können Sie ganz gezielt nach passenden Lehrlingen suchen.

    Auch bekannte Grössen wie LinkedIn, Xing oder Stepstone bieten sich an, um Ihr Unternehmen zu präsentieren und freie Ausbildungsstellen zu posten. Das Schalten von Anzeigen bei diesen Anbietern ist zwar kostenpflichtig, bietet aber den Vorteil, dass Sie sich mit anderen Spezialisten aus Ihrer Branche vernetzen und sich über relevante Veranstaltungen informieren können.

  3. Social Media

    Ob Facebook, Instagram oder TikTok, überlegen Sie sich für Ihre Social-Media-Kanäle ein Konzept, mit dem Sie jungen Leuten die Arbeit in Ihrem Betrieb näherbringen. Sie können in regelmässigen Postings Mitarbeiter vorstellen, Lehrlinge nach ihren Herausforderungen fragen, interessante Tätigkeiten beleuchten, schwere Werkzeuge und Geräte vorstellen oder witzige Alltagssituationen posten. Wichtig ist nur, dass Sie sich ungekünstelt als offenes, jung gebliebenes Unternehmen präsentieren, die Posts mit aussagekräftigen Hashtags versehen und gut mit anderen Accounts Ihrer Branche vernetzt sind. So erhöhen Sie die Chancen, dass alle, die an einer Ausbildung interessiert sind, Ihre Seite finden.

  4. Ausbildungs- und Berufsmessen

    Buchen Sie einen Stand bei einer regionalen Ausbildungs- oder Berufsmesse und passen Sie die Präsentation Ihres Betriebs an die Zielgruppe an. Es handelt sich nicht um eine Fachmesse: Lassen Sie also den manchmal mürrischen Schichtleiter lieber im Betrieb und nehmen Sie stattdessen offene, kommunikative Kollegen und einige Lehrlinge mit, die interessierten Schülern Rede und Antwort stehen.

    Mit lustigen oder nützlichen Give-aways, die Firmenlogo und Website enthalten, erhöhen Sie die Chance, dass Ihr Betrieb den Messebesuchern in Erinnerung bleibt.

  5. Lokale Werbemassnahmen

    Viele zukünftige Lehrlinge suchen zunächst einen Ausbildungsbetrieb in der Nähe Ihres Heimatorts, deshalb sollten Sie regionale Werbung nicht unterschätzen. Ob Sie einen lokalen Sportverein als Sponsor unterstützen, mit einer Schule für Projektwochen kooperieren oder öffentlichen Einrichtungen eines Ihrer Werkstücke stiften. Wählen Sie einfach einen guten Zweck, der zu Ihren Überzeugungen passt und Sie der Zielgruppe für Ihre Ausbildungsplätze bekannt macht.

Ausbildung während der Corona-Pandemie

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist es noch schwerer geworden, direkten Kontakt zu interessierten jungen Leuten aufzunehmen. Daher sollten Sie für die Lehrling-Suche möglichst viele Ressourcen in Ihre Online-Auftritte stecken. Neben den oben erwähnten Inhalten für Ihre Website und Social-Media-Profile können Sie sich zudem erkundigen, ob bekannte Messen online stattfinden und sich mit Informationsvideos und Fragerunden dort präsentieren.

Ein weiterer Aspekt sind die Auswirkungen, die die Pandemie-Situation aktuell auf den Alltag Ihrer Lehrlinge hat und haben wird. Viele Jugendliche sind verunsichert. Sie haben Angst, unter den derzeitigen Bedingungen nicht genügend zu lernen und von Gleichaltrigen isoliert zu sein, die sie normalerweise während der Schultage treffen würden. Um zukünftigen Auszubildenden ihre Angst zu nehmen und Bedenken zu zerstreuen, können Sie auf Ihren Online-Kanälen gezielt zeigen, wie die Ausbildung in Ihrem Betrieb zurzeit geregelt ist. Kommunizieren Sie klar, dass Lehrlinge nicht allein gelassen werden und präsentieren Sie Vorschläge, wie die Betreuung und Unterstützung während der Ausbildung aussehen kann.

FAQ: Lehrlinge suchen

Warum finden Firmen immer schlechter Lehrlinge?

Der beständige Rückgang der Geburtenzahlen macht sich inzwischen bei den Absolventenzahlen bemerkbar. Zudem interessieren sich immer weniger Absolventen für eine Ausbildung, häufig aufgrund von Vorurteilen: geringe Bezahlung, kaum Mitspracherecht, schlechte Aufstiegschancen und ungenügende Förderung – diese Zuschreibungen sind mittlerweile zwar überholt, werden aber nach wie vor häufig mit einer handwerklichen Ausbildung in Verbindung gebracht. Vor allem kleinere Betriebe sind nicht immer gut darin beraten, sich zeitgemäss zu präsentieren und für Auszubildende attraktiv darzustellen.

Wo suchen Lehrlinge nach Ausbildungsstellen?

Die Generation Z lebt digital. Dementsprechend sind Suchmaschinen und soziale Medien die ersten Anlaufstellen von Jugendlichen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Wenn Sie Lehrlinge suchen, sollten Sie deshalb unbedingt mit einer guten Strategie zum Ausbildungsmarketing auf diesen Kanälen antreten.

Wie kann ich Lehrlinge werben?

Zeitungsannoncen und Jobbörsen bieten einen ersten Anhaltspunkt, um Lehrlinge zu suchen. Doch Sie können davon ausgehen, dass die Digital Natives der Generation Z Ihren Betrieb danach in Suchmaschinen und sozialen Medien suchen und sollten dort entsprechend aussagekräftige Inhalte bereitstellen. Ausserdem können Sie durch regionale Werbemassnahmen wie Vorträge an Schulen, Teilnahme an Ausbildungs- und Berufsmessen oder soziales Engagement in der Umgebung bekannt machen, dass es in Ihrem Unternehmen freie Ausbildungsplätze und Stellen für Berufseinsteiger gibt.

Wann ist die beste Zeit, um Lehrlinge zu suchen?

Fangen Sie etwa 10 Monate vor Beginn des Ausbildungsjahres an, nach Lehrlinge zu suchen. Viele Schüler machen sich schon am Anfang ihres letzten Schuljahres, spätestens aber zu Beginn des neuen Jahres auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz. Je früher Sie mit der Suche beginnen, desto mehr Zeit bleibt Ihnen, um bei Auswahlgesprächen und ggf. auch Probearbeitstagen sicherzustellen, dass Sie die besten Lehrlinge für Ihren Betrieb finden.

Bildquellen:
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