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Die Umsetzung von gesetzlich vorgeschriebenen Brandschutzbestimmungen im Betrieb ist wichtig, um die Brandentstehung und die Ausbreitung von Bränden zu verhindern und Rettung für Mensch und Tier im Brandfall zügig zu ermöglichen. Denn: Ein Brand im Betrieb kann schwere Folgen haben. Nicht nur können Personen zu Schaden kommen; auch die wirtschaftlichen Schäden eines Brandes können enorm sein.

Die häufigsten Brandursachen im Betrieb sind:

  • Unsachgemässer Umfang mit Gefahrstoffen und Einrichtungen
  • Fehlende Unterweisung der Mitarbeiter in die betrieblichen Brandschutzvorschriften
  • Mangelndes Gefahrenbewusstsein im Umgang mit Gefahrstoffen

In der Schweiz gelten die Brandschutznorm sowie die Brandschutzrichtlinien der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) als rechtlich verbindliche Grundlage für den betrieblichen Brandschutz. Letzterer umfasst darin einerseits Präventionsmassnahmen, um Brände zu verhindern, andererseits Massnahmen zur Bekämpfung eines Brandes oder Verhaltensregeln im Brandfall und zur Gefahrenabwehr. Es werden daher zwei grundlegende Ansätze unterschieden: vorbeugender und abwehrender Brandschutz im Betrieb.

Der vorbeugende Brandschutz in den betrieblichen Brandschutzbestimmungen

Vorbeugung ist alles. Das gilt besonders für die Brandschutzbestimmungen im Betrieb. Der vorbeugende Brandschutz umfasst daher alle Massnahmen zur Brandverhütung und -ausbreitung. Umsichtiger vorbeugender Brandschutz senkt das Entstehungsrisiko von Bränden in Ihrem Unternehmen erheblich, sodass die Massnahmen des abwehrenden Brandschutzes gar nicht erst ergriffen werden müssen.

Dazu werden drei Teilbereiche in den vorbeugenden betrieblichen Brandschutzbestimmungen unterschieden: Baulicher Brandschutz, technischer Brandschutz und organisatorischer Brandschutz.

1.        Baulicher Brandschutz

Mit den Brandschutzbestimmungen zum baulichen Brandschutz im Betrieb soll laut Richtlinien der VKF die Brandprävention und -ausbreitung durch bauliche Massnahmen gewährleistet werden. Das betrifft unter anderem:

  • die Verwendung von brandsicheren Baustoffen und Bauteilen,
  • die Einteilung von Gebäuden in verschiedene Brandabschnitte für die Feuerwehr
  • den Einbau von Feuerschutztüren oder Brandschutzklappen
  • die korrekte Erstellung und Auszeichnung von Flucht- und Rettungswegen.

2.        Technischer Brandschutz

Die Brandschutzbestimmungen zum technischen Brandschutz im Betrieb umfassen Massnahmen und Einrichtungen, um einen Brand möglichst frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen. Kurz und bündig müssen diese technischen Anlagen im Brandfall folgende Funktionen erfüllen:

  • Erkennen und Melden: Brandmelde- und Warnanlagen, Rauchmelder
  • Unterdrücken: Blitzschutz- und Überspannungsanlagen
  • Leiten und Führen: Sicherheitsbeleuchtung, Notlichter
  • Abschotten: Feuerschutztüren, Brandschutzklappen
  • Löschen: Feuerlöscher, Sprinkleranlagen, Hydranten oder Steigleitungen
  • Entrauchen: Rauch- und Wärmeabzüge

3.        Organisatorischer Brandschutz

Zum organisatorischen Brandschutz zählt die VKF im Allgemeinen alle Schritte und Vorbereitungen eines Betriebes oder Unternehmens, die zur Verhinderung eines Brandausbruchs oder der Brandausbreitung beitragen:

  • Betriebliches Brandschutzkonzept

Im sogenannten Brandschutzkonzept sind sowohl vorbeugende, als auch abwehrende Brandschutzmassnahmen enthalten. Dabei werden je nach Nutzung, Gefährdung sowie Grösse des Betriebes regelmässige Kontrollen durch eine dafür ernannte Person vorgenommen. Der Betriebsinhaber oder Sicherheitsbeauftragte erstellt zu diesem Zweck entsprechende Checklisten.

  • Brandschutzbeauftragten ernennen

Im Schweizer Gesetz gibt es keine Regelung zur Ernennung eines Brandschutzbeauftragen auf betrieblicher Ebene – jedoch ist diese für jeden Betrieb zu empfehlen.

Ein Brandschutzbeauftragter sollte persönlich und fachlich für die Anforderungen dieser Stelle geeignet sein. Schulungen dazu werden von diversen Institutionen, zum Beispiel dem Schweizerischen Büro für integrale Sicherheit, angeboten.

Zu den Aufgaben eines Brandschutzbeauftragten zählt u.a. die fachmännische Beratung des Arbeitgebers in allen Fragen rund um den betrieblichen Brandschutz und entsprechende Brandschutzbestimmungen: Mögliche Brandgefahren oder Risiken sollen so frühzeitig erkannt und korrekt beurteilt werden.

  • Brandschutzverordnung aufstellen

In Ihrer betrieblichen Brandschutzverordnung fassen Sie alle Regeln für das Verhalten Ihrer Mitarbeiter in einem möglichen Brandfall zusammen – vergleichbar mit den Regelungen von Hausordnungen oder Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Ihre Mitarbeiter ausreichend über alle Brandschutzbestimmungen informiert sind. In der Brandschutzordnung sind ebenfalls die brandschutztechnischen Massnahmen zur Brandprävention enthalten.

  • Brandfall- und Evakuationsplanung

Das Verhalten im Brandfall sowie die Alarmierung sollten gründlich geplant und schriftlich festgehalten werden, damit die Regelungen an den dafür vorgesehenen Orten für jeden zugänglich angeschlagen werden. Eine Planung erfolgt am besten unter Einbeziehung der Rettungskräfte. Halten sich regelmässig ortsunkundige oder urteilsunfähige Personen im Gebäude auf, sollte die Evakuierung solcher gesondert geplant werden. Bei der Evakuationsplanung sollte zudem folgendes beachtet werden:

  • es empfiehlt sich, geschultes Personal einzusetzen, das für eine geordnete Evakuierung sorgt;
  • ein Sammelplatz, an dem sich die evakuierten Personen finden, ist festzulegen;
  • die evakuierten Zonen sollten nachkontrolliert werden;
  • am Sammelplatz werden Personen kontrolliert und betreut;
  • behinderten Personen ist spezielle Hilfe anzubieten
  • Fluchtwege kennzeichnen

Damit Sie Ihren Mitarbeitern im Brandfall die Orientierung zum kürzesten Fluchtweg ermöglichen können, ist eine eindeutige Kennzeichnung von Rettungswegen notwendig. Anhand spezifischer Rettungszeichen schaffen Sie so Leitsysteme.

Durch die DIN 4844 „Grafische Symbole – Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen Teil 1 und 2“ sind Masse und Darstellungen der Sicherheitszeichen geregelt. Diese müssen deutlich erkennbar sein, häufig auch zusätzlich beleuchtet sowie dauerhaft angebracht werden.

Darüber hinaus kennzeichnen Brandschutzzeichen Standorte von Feuermelde- und Feuerlöscheinrichtungen. Dies können zum Beispiel ein Löschschlauch, eine Feuerleiter, ein Brandmeldetelefon oder ein Brandmelder sein.

  • Mitarbeiter für den Brandfall schulen

Damit Ihre Mitarbeiter genau wissen, wie sie sich in einem Brandfall zu verhalten haben oder zur Brandvermeidung beitragen können, ist es wichtig, Schulungen oder Workshops zum betrieblichen Brandschutz durchzuführen. Inhaltlich sollten Sie die Schwerpunkte des Brandschutzkonzepts und der ausgehängten Brandschutzordnung sowie ggf. weiterer betrieblicher Brandschutzbestimmungen vermitteln.

Gemäss Brandschutzrichtlinien der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) ist es unabdinglich, dass Angehörige des Betriebs in regelmässigem Abstand über das Vorgehen zur Feuerwehralarmierung sowie über das Verhalten im Brandfall informiert werden: Hierzu gehören die Angabe der Nummer der Feuerwehr auf den Telefonen, Merkblätter über das Verhalten im Brandfall, usw.. Zudem sollten Mitarbeiter in der Lage sein, die betriebseigenen Feuerlöscher einzusetzen.

  • Lösch- und Rettungsübungen

Damit Sie und Ihre Mitarbeiter im Brandfall schnell das Betriebsgebäude oder die Werkstatt räumen und den Sammelplatz finden können, sollten den Brandschutzbestimmungen im Betrieb gemäss Evakuierungsübungen durchgeführt werden. Mit einem jährlichen Evakuierungs-Training und Probealarm stellen Sie sicher, dass im Gefahrenfall schnell und korrekt gehandelt wird.

  • Anlagentechnische Massnahmen prüfen

Um sicherzustellen, dass Ihr Betrieb oder Ihre Werkstatträume für die technischen Brandschutzeinrichtungen geeignet sind, sollten Sie diese regelmässig prüfen und Instand halten. Kontrollieren Sie daher einmal jährlich:

  • Elektrische Anlagen wie Schalter, Steckdosen, Anschluss- und Verlängerungskabel, Maschinen und Grosswerkzeuge
  • Gasverbrauchsanlagen
  • Wärme- und lufttechnische Anlagen
  • Aufzugsanlagen
  • Abluftanlagen und Fettfilter
  • Alle Räumlichkeiten in Bezug auf Stolper-, Rutsch- und Sturzstellen oder Abstellflächen
  • Brandschutzbestimmungen im Betrieb kontrollieren

Eine regelmässige Kontrolle und Sicherstellung, dass Ihr Brandschutzkonzept dem aktuellen Stand der Technik entspricht, kann lebenswichtig sein. Prüfen Sie daher mindestens einmal im Jahr die Einhaltung der Vorschriften sowie die Pläne des betrieblichen Brandschutzes bei bestehenden Anlagen oder beim Aus- oder Neubau von Neuinstallationen.

So können Sie zeitnah neue Vorgaben oder veränderte Rahmenbedingungen berücksichtigen und Ihre Brandschutzbestimmungen aktualisieren. Regelmässige Kontrolltermine sollten durch den Brandschutzbeauftragten organisiert, überwacht und ausgeführt werden.

Abwehrender Brandschutz

Zum abwehrenden Brandschutz zählen alle Massnahmen, um einen bereits entstandenen Brand zu bekämpfen. Dies ist vor allem die Aufgabe der Feuerwehr. Zusätzlich gehören aber auch Mitarbeiterinstruktionen zu einer effektiven Brandlöschung. Diese Personen werden nach entsprechenden Ausbildungsmassnahmen als Brandschutzhelfer benannt. Sie können aktiv im abwehrenden Brandschutz eingreifen, bis die Feuerwehr die weitere Brandbekämpfung übernimmt.

Bitte beachten Sie: Die hier erwähnten Vorschriften sind nur eine Auswahl der wichtigsten gesetzlichen Vorgaben. Detaillierte Informationen lesen Sie dazu in den aufgeführten und ggf. weiteren Vorschriftensammlungen und Gesetzestexten nach. Bei der konkreten Umsetzung im Betrieb können und sollten im Zweifel ausserdem Sachverständige hinzugezogen werden.

Bildquellen:
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getty – Sumala Chidchoi