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Für den Transport werden Industriegüter üblicherweise auf Paletten geladen, um sie zügig mit Hubwagen oder Gabelstaplern bewegen und platzsparend verladen zu können. Damit die Güter während des Transports nicht verrutschen, ist eine sachgemässe Ladungssicherung notwendig. Die Ware muss so fest auf den Paletten sitzen, dass sie sich nicht bewegt, selbst wenn während der Beförderung starke Trägheitskräfte (zum Beispiel beim Bremsen, in engen Kurven, bei starkem Seegang) auf sie einwirken.

Bei sachgemässer Anwendung ist diese Form der Ladungssicherung äusserst zuverlässig und hält selbst extreme Belastungen aus. Was Sie bei der Ladungssicherung von Paletten mit Stretchfolie berücksichtigen müssen, lesen Sie hier.

Welche Richtlinien gelten für die Ladungssicherung mit Stretchfolie?

In Betrieben kommt immer wieder die Frage auf, ob die Ladungssicherung mit Stretchfolie wirklich zulässig und eine solche Art der Transportsicherung überhaupt gestattet ist. Darauf gibt es eine eindeutige Antwort: Ja. Zu verrutschten und eventuell sogar beschädigten Ladungseinheiten oder Bussgeldern bei Fahrzeugkontrollen kommt es nur, wenn Fehler beim Einstretchen gemacht wurden. Um Waren sicher einzustretchen und festzulegen, wer für die Ladungssicherung mit der Folie verantwortlich ist, sind daher auch in der Schweiz folgende Richtlinien und Normen geläufig bzw. empfehlenswert:

  • Norm DIN 12195 : Diese Norm befasst sich mit der Ladungssicherung auf Strassenfahrzeugen, spezifisch mit der Berechnung von Sicherungskräften. Ebenso kommen für den Transport von Ladung in der Schweiz die weiterführenden Normen DIN 12640 (Zurrpunkte zur Ladungssicherung) und DIN 12642 (Aufbauten an Nutzfahrzeugen) zum Einsatz.
  • EUMOS 40509: Diese Norm für ordnungsgemässe Transportverpackung schreibt vor, dass die elastische Verformung einer Verpackung weniger als 10 Prozent und die permanente Deformation weniger als 5 Prozent betragen darf. Darüber hinaus dürfen sich die Lagen innerhalb einer Verpackungseinheit nicht um mehr als 2 Prozent verschieben. Um das zu überprüfen, wird eine Probepalette auf einer Ladeplattform den horizontalen Trägheitskräften ausgesetzt.
  • VDI 3968 Blatt 5: Die VDI-Richtlinie beschäftigt sich mit Stretchfolie als Ladungssicherung. Hier finden Sie Hinweise zu verschiedenen Stretchverfahren und -folien sowie Qualitätskriterien, die Ihnen bei der Wahl der geeigneten Stretchfolie für Ihre Ladeeinheiten helfen.

Laut Strassenverkehrsgesetz (SVG) Art. 30 Abs. 2 Ladung darf „ein Fahrzeug nicht überladen werden. Zudem muss die Ladung so angebracht werden, dass sie niemanden belästigt, nicht herunterfallen kann und keine Gefährdung darstellt“. Aufgrund dieser sehr allgemein gehaltenen Gesetzgebung ist es umso empfehlenswerter, bei der Ladungssicherung mit Stretchfolie auf die oben genannten Normen zurückzugreifen.

Passende Stretchfolien und Stretchmaschinen-Systeme verwenden

Um Transportgüter auf Paletten wirklich sicher einzustretchen, kommt es auf zwei Faktoren an: Die Stretchfolie muss auf Art und Gewicht der Fracht abgestimmt sein und korrekt angewendet werden.

Für die Ladungssicherung sind deshalb grundsätzlich verschiedene Stretchfolien erhältlich. Sie unterscheiden sich nicht nur in Materialstärke und Belastbarkeit, sondern sind auch durchsichtig oder getönt verfügbar. Alle Folien bestehen aus dem Kunststoff Polyethylen (PE), der zur Herstellung verschiedener Folienarten verflüssigt und entweder im Blas- oder im Castverfahren zu einer widerstandsfähigen Folie verarbeitet wird. Im Blasverfahren wird das PE aufgrund der ringförmigen Düse zum Folienschlauch, im Castverfahren wird es auf eine Walze gegossen, sodass auch mehrschichtige Folien gefertigt werden können. Die Qualität des verwendeten PE ist abhängig von der molekularen Struktur und entscheidend für die Belastbarkeit der Stretchfolie.

Unabhängig von der Qualität, muss für eine zuverlässige Ladungssicherung jede Stretchfolie bis zur Verfestigungsgrenze vorgedehnt (gereckt) werden. Erst wenn diese Grenze erreicht ist, hält sie hohen Trägheitskräften stand. Bis dahin gibt sie selbst bei geringer Krafteinwirkung nach und ist für die Ladungssicherung nicht geeignet. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, bereits vorgereckte Folien zu verwenden, besonders wenn Sie mit einem Handabroller oder einfachen Stretchmaschinen ohne Vorreckfunktion arbeiten, da hier nicht sicher ist, ob die Verfestigungsgrenze wirklich erreicht wird.

Um die Ladung auf ihren Paletten mit Stretchfolie zu sichern, stehen Ihnen folgende Stretchmaschinen und -anlagen zur Auswahl:

  • Systeme mit Bremswalze: Hier läuft die Stretchfolie zunächst über eine (elektro-)mechanische Bremswalze, die für eine konstante Spannung der Folie sorgt, bevor diese um die beladene Palette auf dem Drehteller gewickelt wird. Anlagen mit Bremswalze sind aus oben genannten Gründen ausschliesslich für vorgereckte Folien geeignet.
  • Vorrecksystem ohne Antrieb: Diese Anlage für nicht vorgereckte Folien besteht aus zwei Walzen mit veränderlicher Übersetzung, zwischen denen die Stretchfolie vorgereckt wird. Dabei entspricht die Spannung der Folie beim Einstretchen exakt dem Grad der Vorreckung.
  • Vorrecksystem mit Antrieb: Bei dieser Anlage kommen zwei oder mehr Walzen zum Einsatz, die über eine Kette oder Zahräder miteinander verbunden sind und von einem Motor angetrieben werden. Auch individuelle Motoren für jede Walze sind möglich. Auf diese Weise kann die Dehnungskraft zum Einstretchen höher als die Vorreckung eingestellt werden, um eine belastbare Verpackung zu erhalten. Achten Sie allerdings darauf, auf solchen Anlagen nur besonders hochwertige Folien zu verwenden, die für diese zusätzliche Spannungserhöhung geeignet sind.

Wie wird eine Ladeeinheit mit Stretchfolie gesichert?

Sowohl bei einer Stretchmaschine als auch beim manuellen Einstretchen von Paletten kommt es auf die richtige Stretchtechnik an, damit die Ladung wirklich zuverlässig gesichert ist. Beim automatischen Stretchen muss die Anlage zunächst korrekt konfiguriert werden:

  • Reckung der Stretchfolie einstellen
  • optimale Anlegespannung berechnen
  • Anzahl der Fuss-, Mittel- und Kopfumwicklungen festlegen

Beim manuellen Stretchen müssen Sie ausserdem die richtige Wickeltechnik anwenden und zuerst den Fuss-, anschliessend den Mittel- und zuletzt den Kopfbereich sichern:

Anleitung für manuelles Stretchen

  1. Fusswicklung:

    Nachdem das Ende der Folie an der Palette festgeknotet wurde, wird dieser etwa acht bis zwölf Mal umwickelt, um die Güter sicher mit der Palette zu verbinden.

  2. Mittelwicklung:

    Wickeln Sie die Stretchfolie spiralförmig vom Fuss nach oben. Die Folienbahnen sollten sich dabei mindestens zur Hälfte überlappen

  3. Kopfwicklung:

    Sobald das obere Ende der Ladung erreicht ist, wird es vier bis fünf Mal umwickelt.

  4. Kreuzwicklung:

    Anschliessend stretchen Sie wieder spiralförmig nach unten, damit der Mittelbereich doppelt gesichert ist und können auch den Fuss noch einmal zusätzlich umwickeln.

Bei der Fussumwicklung ist besondere Vorsicht geboten, denn hier lauert eine der grössten Fehlerquellen. Stellen Sie unbedingt sicher, dass der Fussbereich mit einer ausreichenden Anzahl an Umwicklungen gesichert ist, damit die Ladungseinheit sicher mit Flurförderzeugen transportiert werden und sich die Ware auch nach dem Verladen nicht von den Paletten bewegen kann.

Bitte beachten Sie: Die hier erwähnten Vorschriften sind nur eine Auswahl der wichtigsten gesetzlichen Vorgaben. Detaillierte Informationen lesen Sie dazu in den aufgeführten und ggf. weiteren Vorschriftensammlungen und Gesetzestexten nach. Bei der konkreten Umsetzung im Betrieb können und sollten im Zweifel ausserdem Sachverständige hinzugezogen werden.

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