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Sicherheitskennzeichen sind Piktogramme, die in Betrieben und in öffentlichen Gebäuden vor möglichen Gefahren waren, auf verbotene oder erforderliche Verhaltensweisen hinweisen oder vor möglichen Gefahrenquellen und Unfallrisiken warnen. Insbesondere im Bereich des Arbeits- und Unfallschutzes spielen die Sicherheitszeichen daher eine wichtige Rolle. Die Sicherheitskennzeichen sind aus diesem Grund am Arbeitsplatz meist vorgeschrieben.
Im nachfolgenden Ratgeber lesen Sie, welche Sicherheitskennzeichen es gibt, welche Normen ihre Gestaltung regeln und was beim Anbringen der Sicherheitskennzeichen am Arbeitsplatz zu beachten ist.
Welche Normen gelten für Sicherheitskennzeichen in der Schweiz?
Alle Sicherheitskennzeichen mit ihrer Bedeutung, ihrem Aussehen und den Vorgaben zum Anbringen werden durch diese Normen geregelt:
- SN EN ISO 7010 Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen – Registrierte Sicherheitszeichen: Die SN-Norm legt das Aussehen, die Farbgebung und die graphischen Symbole von Sicherheitskennzeichen fest. Sie gilt für Arbeitsstätten, öffentliche Bereiche und Produkte zur Personensicherheit.
- SN EN ISO 7010 Graphische Symbole – Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen – Registrierte Sicherheitszeichen: Diese Norm legt das Aussehen und die Farbgebung von Sicherheitskennzeichen fest.
- SN EN 61310-1 Anlagen zur signaltechnischen Kennzeichnung – Teil 1: Designgrundsätze: Ergänzt durch nationale Anpassungen und Suva-Richtlinien, regelt sie Anbringung, Formen, Grössen, Erkennbarkeit und Komponenten der Kennzeichnung.
- VKF Brandschutzrichtlinie 17-15: Speziell für Flucht- und Rettungswege, Nachleuchtkennzeichen (nach ISO 17398) und Brandschutz; enthält Vorgaben zu Abständen und Sichtweiten.
Wichtig zu wissen: Die sogenannten praxisbewährten Sicherheitsschilder (ältere, nicht ISO-7010-konforme Gestaltungsweisen) sind nur in Ausnahmefällen mit Gefährdungsbeurteilung zulässig. Für den Austausch durch neue Sicherheitszeichen gemäss SN EN ISO 7010, SN EN 61310-1 und VKF 17-15 gibt es keine Übergangsfrist. Der Austausch der alten mit den neuen Sicherheitskennzeichen sollte so schnell wie möglich erfolgen, um der Verordnung über die Unfallverhütung (VUV) zu entsprechen. Alte und neue Sicherheitskennzeichen dürfen nicht vermischt werden
Welche 5 Gruppen der Sicherheitszeichen werden unterschieden?
Sicherheitskennzeichen werden in der international und europäisch abgestimmten Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A1.3 in fünf Gruppen eingeteilt und jeweils durch einen Buchstaben gekennzeichnet, der noch durch eine dreistellige Ziffer ergänzt wird. Daraus ergibt sich diese Einteilung:
- P = Verbotszeichen
- W = Warnzeichen
- M = Gebotszeichen
- E = Rettungszeichen
- F = Brandschutzzeichen
Zu den Schildern und Plaketten
Des Weiteren unterscheidet die ASR A1.3 noch das Zusatzzeichen: Dieses Sicherheitskennzeichen wird zusammen mit dem Haupt-Sicherheitszeichen angebracht und macht die Sicherheitsinformation deutlicher oder anwendbarer für spezifische Situationen. Für Verbotszeichen, Gebotszeichen und Warnzeichen ist die Verwendung eines Zusatzzeichens sogar verpflichtend.
Ist das Zusatzzeichen zusammen mit dem Sicherheitskennzeichen auf einem Schild gemeinsam abgebildet, spricht die ASR A1.3 von Kombinationszeichen. Die ASR A1.3 legt je nach Gruppe fest, welche Formen und Farben für die jeweiligen Sicherheitskennzeichen gelten. So wird die Bedeutung eines bestimmten Sicherheitszeichens sofort deutlich:
| Gruppe des Sicherheitskennzeichens | Form und Farbe gemäss ASR A1.3 | Beispiel* |
|---|---|---|
| Verbotszeichen (P) zeigen an, welche Verhaltensweisen verboten sind | • kreisförmig • weisser Untergrund • schwarzes Piktogramm • roter Rand • roter Querbalken • darf nur in Verbindung mit einem Zusatzzeichen an-gewendet werden, das das Verbot konkretisiert | ![]() z. B. Rauchverbot, Zutritt verboten, keine offene Flamme |
| Gebotszeichen (M) enthalten Hinweise auf das notwendige Verhalten | • kreisförmig • blauer Untergrund • weisses Piktogramm • weisser Rand • darf nur in Verbindung mit einem Zusatzzeichen an-gewendet werden, das das Verbot konkretisiert | ![]() z. B. Gehörschutz benutzen, Schutzhelm tragen, Augenschutz benutzen |
| Warnzeichen (W) deuten auf Gefahren hin | • gleichseitiges Dreieck • gelber Untergrund • schwarzes Piktogramm • schwarzer Rand • darf nur in Verbindung mit einem Zusatzzeichen an-gewendet werden, das das Verbot konkretisiert | ![]() z. B. Warnung vor Strahlung, explosionsgefährlichen Stoffen, elektrischer Spannung |
| Rettungszeichen (E) enthalten Hinweise auf Hilfe bei Notfällen und markieren Rettungswege und Notausgänge | • quadratisch • grüner Untergrund • weisses Piktogramm • kein Rand | ![]() z. B. Notausgang, Erste Hilfe, Sammelstelle, Fluchtweg |
| Brandschutzzeichen (F) geben Hinweise auf Hilfsmittel und Verhaltensweisen im Brandfall | • quadratisch • roter Untergrund • weissr Rand | ![]() z. B. Feuerlöscher, Löschdecke, Brandmelder, Feuerwehrleiter |
Welche Sicherheitskennzeichen sind am Arbeitsplatz erforderlich?
Diekonkrete Auswahl als auch die Anzahl der Sicherheitskennzeichen basiert immer auf einer vorherigen Gefährdungsbeurteilung. Dabei wird sowohl der Arbeitsplatz als auch die jeweilige Tätigkeit geprüft. Ob und welche Sicherheitskennzeichen am Arbeitsplatz erforderlich sind, wird hierdurch festgelegt:
- Sicherheitskennzeichen sind nötig, wenn Unfall- oder Verletzungsrisiken trotz technischer Schutzmassnahmen bestehen bleiben.
- Sie sind ebenfalls anzubringen, wenn organisatorische Massnahmen zum Arbeitsschutz nicht ausreichend sind.
- Die Anbringung der richtigen Sicherheitszeichen ist zudem vorgeschrieben, wenn der Arbeitsplatz oder die betrieblichen Erfordernisse ständige Verbote, Warnungen oder Gebote notwendig machen.
Sicherheitskennzeichen: Welche Erkennungsweite muss beachtet werden?
Neben der geometrischen Form und Farbe ist auch die Erkennungsweite der Sicherheitskennzeichen geregelt. Sie gibt an, wie gross die Zeichen sein müssen, damit sie in einer bestimmten Entfernung deutlich zu erkennen sind.
Für dreieckige Sicherheitskennzeichen (also Warnzeichen) ist die Erkennungsweite so geregelt:
| Seitenlänge in mm | maximale Erkennungsweite in m |
|---|---|
| 50 | 1 |
| 100 | 3 |
| 200 | 6 |
| 315 | 10 |
| 400 | 12 |
Für runde Sicherheitszeichen (Verbotszeichen und Gebotszeichen) muss diese Erkennungsweite gewährleistet sein:
| Durchmesser in mm | maximale Erkennungsweite in m |
|---|---|
| 50 | 2 |
| 100 | 4 |
| 200 | 8 |
| 315 | 12 |
| 400 | 16 |
Bei viereckigen Sicherheitskennzeichen (Rettungszeichen, Brandschutzzeichen) orientieren Sie sich an diesen Erkennungsweiten:
| Seitenlänge B x H in mm | maximale Erkennungsweite in m |
|---|---|
| 100 x 100 | 10 |
| 200 x 100 | 10 |
| 150 x 150 | 15 |
| 300 x 150 | 15 |
| 200 x 200 | 20 |
| 400 x 200 | 20 |
| 250 x 250 | 25 |
| 300 x 300 | 30 |
Dabei spielen auch die Beleuchtungsverhältnisse eine wichtige Rolle. Gemäss ASR A1.3 lauten die Vorgaben im Hinblick auf die Erkennungsweiten wie folgt:
- Je nach Räumlichkeit und Lichtverhältnissen ergeben sich unterschiedliche Erkennungsweiten für Sicherheitszeichen. Eine optimale Erkennungsweite ist jeweils immer dann erreicht, wenn sowohl die Form, die Farbe und das Symbol des Schildes gut zu sehen sind.
- Für Umgebungen mit wechselnden Lichtverhältnissen, wie z. B. Strassen oder Wege auf dem Betriebsgelände, sind so mitunter neben besonders grossen auch dauerhaft beleuchtete oder reflektierende Sicherheitskennzeichen nötig.
- Zusätzlich zu der passenden Grösse sollten Sie ausserdem darauf achten, dass die Kennzeichen unverdeckt und damit einsehbar bleiben: Schmutz, Schnee oder die Schilder verdeckende Fahrzeuge oder Gerätschaften sollten umgehend entfernt werden.
Sicherheitskennzeichen anbringen: Schilderformen beachten
Neben der Erkennungsweite tragen auch die Schilderformen dazu bei, wie gut Sicherheitszeichen wahrgenommen werden können. Das gilt insbesondere für langnachleuchtende Sicherheitskennzeichen, wie z. B. Rettungszeichen:
- Flachschilder
Flache Sicherheitskennzeichen haben eine Lichtstreuung von 90° und sind daher für frontale Kennzeichnungen geeignet, beispielsweise am Ende eines Ganges oder direkt über Fluchttüren. - Nasenschilder
Diese Sicherheitskennzeichen bieten dank ihrer im Dreieck angeordneten Seiten eine Lichtstreuung von 180°. Damit sind sie auch aus verschiedenen Blickwinkeln gut zu erkennen und vor allem in Lagerhallen oder Parkhäusern gut erkennbar. - Fahnenschilder
Die zweiseitigen Schilder werden wie Fahnen angebracht, sodass jede Seite eine Lichtstreuung von 90° bietet. So sind sie vor allem frontal gut zu sehen, bieten aufgrund ihrer zwei Seiten aber eine optimale Orientierungslösung für lange Flure, Gänge und Treppenhäuser. - Deckenschilder
Ähnlich wie Fahnenschilder sind auch diese Sicherheitszeichen von zwei Seiten bedruckt. Da sie aber von der Decke hängend montiert werden, erreichen sie eine Lichtstreuung von 180° und bieten eine verlässliche Orientierung in langen Fluren.
FAQ zu Sicherheitskennzeichen
Sicherheitskennzeichen haben eine wichtige Bedeutung am Arbeitsplatz und übernehmen je nach Gruppe des Sicherheitszeichens verschieden Aufgaben: Sie warnen vor möglichen Gefahren, weisen auf verbotene oder erforderliche Verhaltensweisen hin, schützen vor möglichen Gefahrenquellen und können Unfälle verhindern. Zudem können sie auf den Standort von Rettungsmitteln, Fluchtwegen und Löschmitteln hinweisen.
Die Sicherheitskennzeichnung umfasst alle Massnahmen zur visuellen, akustischen oder taktilen Warnung und Information am Arbeitsplatz. Sie erfolgt durch verschiedene Mittel wie Sicherheitskennzeichen, Farben, Leucht- oder Schallsignale, verbale Durchsagen oder Handzeichen und bezieht sich immer auf konkrete Gegenstände, Tätigkeiten oder Situationen.
Der Hauptzweck liegt in der Unfallverhütung und dem Gesundheitsschutz der Beschäftigten. Eine Sicherheitskennzeichnung ermöglicht eine schnelle Orientierung in Gefahrensituationen und gewährleistet durch einheitliche, international verständliche Symbole eine sprachunabhängige Kommunikation.
Sie ist ein wesentlicher Baustein des modernen Arbeitsschutzes und kommt dann zum Einsatz, wenn technische oder organisatorische Schutzmassnahmen allein nicht ausreichen, um Risiken vollständig zu vermeiden.
Die „neuen Sicherheitskennzeichen“ in der Schweiz beziehen sich auf die standardisierten Symbole gemäss SN EN ISO 7010. Diese haben seit 2012 ältere nationale Gestaltungsweisen abgelöst und etablieren eine international einheitliche, sprachunabhängige Kennzeichnung.
Grundsätzlich gilt: So viele Zeichen wie nötig, so wenige wie möglich. Optimalerweise sollten die Sicherheitskennzeichen am Arbeitsplatz etwa in Augenhöhe angebracht werden – und zwar gut sichtbar und dort, wo der jeweilige Gefahrenbereich beginnt. Das kann beispielsweise an Türen, Durchgängen, Flucht- und Rettungswegen oder Arbeitsgeräten sein.
Sicherheitskennzeichen werden gemäss ASR A1.3 in fünf Gruppen unterteilt und mit einem Buchstaben versehen:
• Verbotszeichen (P): zeigen an, welche Verhaltensweisen verboten sind
• Warnzeichen (W): deuten auf Gefahren hin
• Gebotszeichen (M): enthalten Hinweise auf das notwendige Verhalten
• Rettungszeichen (E): enthalten Hinweise auf Hilfe bei Notfällen und markieren Rettungswege und Notausgänge
• Brandschutzzeichen (F): geben Hinweise auf Hilfsmittel und Verhaltensweisen im Brandfall
Des Weiteren unterscheidet die ASR A1.3 noch das Zusatzzeichen: Dieses Sicherheitskennzeichen wird zusammen mit dem Haupt-Sicherheitszeichen angebracht und macht die Sicherheitsinformation deutlicher.
Bitte beachten Sie: Die hier erwähnten Vorschriften sind nur eine Auswahl der wichtigsten gesetzlichen Vorgaben. Detaillierte Informationen lesen Sie dazu in den aufgeführten und ggf. weiteren Vorschriftensammlungen und Gesetzestexten nach. Bei der konkreten Umsetzung im Betrieb können und sollten im Zweifel ausserdem Sachverständige hinzugezogen werden.
Bildquellen:
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